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Jedes Jahr nutzen zigtausende Nonnengänse die Nordfriesische Küste und die Inseln als Rast- und Fressplatz. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Sie sind Ästheten in der Luft mit ihrem eleganten Formationsflug und bieten ein majestätisches Naturschauspiel. Gleichzeitig sind sie eine Seuche an Land, durch ihr Fressverhalten und ihre Exkremente, die den Weg säumen. Die Rede ist von den zigtausenden Nonnengänsen, die jedes Jahr ab Herbst bis in das Frühjahr in Schwärmen über das Land ziehen und sich vorzugsweise auf landwirtschaftlich genutzten Flächen niederlassen. Die landwirtschaftlichen Flächen sind mit ihrem nährstoffreichen Aufwuchs hervorragend geeignet für die Rast der Wildvögel. Die Nonnengans ist sozusagen ein Ehrengast, denn sie genießt nach EU-Vogelschutzrichtlinie bislang einen hohen Schutzstatus.

Der Bauernverband Schleswig-Holstein hatte unter seinen Mitgliedern in den Jahren 2014 und 2016 Erhebungen zu den Fraßschäden durch Gänse durchgeführt. Dabei war es im Durchschnitt auf 18.000 ha landwirtschaftlicher Fläche zu Fraßschäden auf Grünland und Ackerkulturen gekommen. Die Verluste der betroffenen Betriebe beziffert der Bauernverband auf jährlich gut 8 Mio. €. Sie steigen mit der wachsenden Population. Die Bestandszahl der Nonnengänse aus dem Jahr 2018 wurde für Deutschland mit 330.000 angegeben und ihr günstiger Erhaltungszustand mit 83.500.

Wie stark die Schäden und Beeinträchtigungen sind, davon hat Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sich in der vorigen Woche ein Bild auf Amrum gemacht. Dort konnte er erfahren, wie ein Junglandwirt seinen Betrieb umstrukturiert und durch verschiedene neue Standbeine versucht, die Verluste durch den Gänsefraß zu kompensieren. Günther war beeindruckt und sagte, er erlebe Menschen, die wirklich Bock auf Landwirtschaft hätten.

Der Artenschutz der wachsenden Gänsepopulation geht auf Kosten der Betriebe, die in den Rastregionen liegen. Denn statt auf Bestandsregulierung wird hierzulande auf Entschädigung gesetzt, die die Ausfälle nicht ausgleichen kann. Das können die Bauern sich auf Dauer nicht leisten. Darauf haben sie keinen Bock mehr. Deshalb haben sie dem Ministerpräsidenten einen Vorschlag gemacht und fordern ein Bestandsmanagement durch Vergrämungsabschüsse. Damit die Tiere sich stärker in Gebiete zurückziehen, die nicht landwirtschaftlich genutzt sind.

Der Ministerpräsident hat sich viel Zeit genommen zum Zuhören und mit seinem Besuch auf Amrum vor den Bauern eine hohe Karte gespielt und die Wahrnehmung und die Erwartungen höhergesteckt. Bis zur Bundestagswahl im September vergeht noch einige Zeit und bis zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Die liegt im Mai 2022, zum Zeitpunkt des Gänsezugs. Das könnte die Landwirte an die Gespräche auf Amrum erinnern.

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