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Die Honigbiene stürzt sich genussvoll auf eine Rapsblüte. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Rapsfelder ziehen Honigbienen magisch an. Sind die Felder direkt neben Apfelanlagen, fliegen die Insekten eher zu den gelben Blüten als zu den nahegelegenen Obstbäumen. Das zeigt eine Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Dass die Apfelernte bei den untersuchten Apfelanlagen trotzdem stabil blieb, lag an Hummeln und Wildbienen, die die Bestäubungslücke füllten. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift "Agriculture, Ecosystem and Environment" veröffentlicht.

Es kam wie es kommen musste: Die Untersuchung wurde von Publikumsmedien einseitig interpretiert und gemischt mit fachlicher Unkenntnis entstand daraus bei dem öffentlich-rechtlichen Sender WDR ein Videobeitrag mit dem Titel "Trügerische Augenweide – Rapsblüte in NRW". Das Video erschien auf der Facebookseite des WDR in der Reihe "Heimatflimmern". In dem knapp einminütigen Beitrag werden Bilder von blühenden Rapsfeldern gezeigt, die mit Aussagen unterlegt sind wie

  • "Hummeln und Bienen werden süchtig nach dem süßen Nektar",
  • durch die Rapsbestäubung "vergessen sie dabei die vielen andere Pflanzen",
  • "Wildblumen kommen zu kurz und vermehren sich nicht mehr",
  • dies sei die "Schattenseite der gelbleuchtenden Monokultur".

Als Landwirt kann man wieder einmal nur verständnislos den Kopf schütteln, wenn man sich nicht auch noch darüber ärgern will. Eine Nachfrage bei den Berufsimkern zeigt: Es besteht kein Grund zur Besorgnis um den Apfelanbau, wenn ein Rapsfeld in der Nähe ist. "Für die Bestäubung eines Apfelbaumes reichen zwei bis 30 Bienen und eine Hummel", erläuterte der Pressesprecher des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bundes (DBIB). Gerade in diesem Jahr sei die Rapsblüte sehr wichtig für die Bienen. Wegen des kalten Frühjahrs stehe bislang nur eine begrenzte Blütenauswahl und damit vergleichsweise wenig Nahrung zur Verfügung.

Dabei ist es interessant, einmal auf die Leistung der Bienen im Rapsbau zu sehen. Raps kann sich selbst bestäuben, es entstehen dann aber aus nur 50 % der Blüten fortpflanzungsfähige Samen. Mit Bienen als Bestäuber entstehen aus 90 % der Blüten die gewünschten Samenkörner. Dies führt zusätzlich zu einer deutlich erhöhten Keimfähigkeit der Samen und somit zu einem deutlich höheren Ölgehalt pro Blüte. Durch Fremdbestäubung des Rapses können Landwirte somit den Ertrag ihrer Ernte um bis zu 30 % steigern.

Für eine optimale Bestäubung des Winterrapses wird eine Bienendichte von 7 bis 9 Bienenvölkern je Hektar empfohlen. Daraus ergibt sich ein Potenzial von 200 bis 450 kg Rapshonig pro Hektar.

Hochgerechnet auf die 1,03 Mio. ha Winterraps in Deutschland, die in diesem Jahr angebaut werden, ergibt sich ein Potenzial von zusätzlich gut 1 Mio. t Raps durch die Bestäubung durch Honigbienen. Das entspricht beim gegenwärtigen Preis von 500 €/t einem zusätzlichen Marktwert von insgesamt rund 500 Mio. €. Hinzu kommt eine potenzielle Honigernte von 309.000 t, wenn man im Mittel eine Ausbeute von 300 kg Honig/ha Raps zugrunde legt. Geht man nur von einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 5 €/kg Rapshonig aus, ergibt sich ein Wert von 1,545 Mrd. €. Der WDR hat wohl eher einen Fehlalarm ausgelöst, denn auch bei den Äpfeln wird die Rechnung aufgehen.

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