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Landwirte fordern mehr Einbeziehung vor politischen Entscheidungen. Foto: Mechthilde Becker-Weigel

Mechthilde Becker Weigel. Foto: Archiv

Eine starke Bilanz für die Organisation "Land schafft Verbindung" (LsV), die noch keine 100 Tage alt ist! Zuerst geübt mit Treckerdemos auf regionaler Ebene, und jetzt die größte Bauerndemonstration seit Jahrzehnten hingelegt. Respekt! Selbst wenn die Wahrheit irgendwo zwischen den Zahlen der Veranstalter und der Polizei liegt, war das auch ein Rekord für Berlin. 40.000 Teilnehmer sind gekommen, sagen die LsV-Organisatoren, mit 8.600 Treckern, sagt die Polizei. So viele Traktoren wurden in der Hauptstadt noch nie gesehen. Das hat Eindruck hinterlassen. Nicht nur bei den Berlinern, auch gestandene Landwirte hatten leuchtende Augen und werden noch lange von ihrer Aktion berichten.

Selbst Politikinsider waren begeistert, mit welcher Logistik und wie diszipliniert daran gearbeitet wurde, die Hauptstadt lahmzulegen und in den größten Traktorparkplatz zu verwandeln. Als die Konvois sich landauf und landab auf den Weg machten, drangen Nachrichten aus den WhatsApp-Gruppen, über die die Sternfahrt organisiert wurde, nach außen. Die Polizei begann, die Konvois zu zählen. Die Tageszeitungen wiesen vorsorglich darauf hin, dass sich etwas Großes auf Berlin zubewegte. Auf dem CDU-Parteitag in Leipzig reichte es am Sonnabend sogar für eine kurze Solidaritätserklärung der Bundeskanzlerin. Sie könne die Landwirte verstehen.

Hier hat nicht einfach eine kleine Gruppe nach den Sternen am Wahrnehmungshimmel gegriffen, es war auch nicht nur der Beweis der Leistungsfähigkeit neuer Medien in der Kommunikation und es ist keine Facebook-Einladung aus dem Ruder gelaufen. Bauern aus dem ganzen Land und ihre Familien sind aufgestanden, um sich Gehör zu verschaffen und auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Dazu hatte LsV aufgerufen – zur Demo und zum Dialog.

Am Dialog mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) müssen beide Seiten noch arbeiten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), die aus der Landwirtschaft stammt, ist hart im Nehmen und zeigte Bühnenpräsenz weit über eine Stunde. Bei einem Konzert hätte man gesagt, sie habe ihre Standards gebracht. Die Jungsband von der FDP durfte als Vorgruppe spielen und wurde angemacht, dann kam die Nummer gegen billiges Fleisch mit dem Werbeprospekt.

Die Texte zu Düngeverordnung und Agrarpaket wurden von ihr in der Standardversion vorgetragen, die kennt man. Diesmal gab es neues Zusatzmaterial: Die nötigen Anpassungsprozesse der Betriebe sollen finanziell unterstützt und die Bauernvertreter intensiver an Diskussionen zur Umsetzung von Gesetzgebungsverfahren beteiligt werden. Außerdem sollen ein Dialogforum mit Verbrauchern geschaffen und eine Kampagne für mehr Wertschätzung werden. Ob das zum Hit reicht, wird sich zeigen.

Eines wurde auf jeden Fall erreicht: Die Landwirtschaft kam in den Publikumsmedien an. Die Demonstration hat gezeigt, wie gut der Zusammenhalt unter den Bauern ist, wenn es darauf ankommt. Die Traktoren standen dicht an dicht vom Brandenburger Tor weit über die Siegessäule hinaus bis zum Ernst-Reuter-Platz. Da hat kein Blatt dazwischen gepasst, auch nicht zwischen die Bauern an diesem Tag. Das ist die wichtigste Botschaft nach außen und nach innen. Welche Möglichkeiten könnten daraus entstehen, wenn der Zusammenhalt auf eine starke Stimme trifft?

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