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Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft verringert sich. Die Anwendung von Fakten in der Politik hoffentlich nicht. Foto: Landpixel

Dr. Robert Quakernack Foto: bb

"So wenig wie möglich, so viel wie nötig" – mit diesem Credo in Sachen Pflanzenschutzmitteleinsatz geht Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) unablässig hausieren. Was mittlerweile wie eine abgedroschene Floskel klingt, bringt die Sachlage dennoch auf den Punkt. Denn ohne Pflanzenschutz wäre es um die Kulturpflanzen in Deutschland schlecht bestellt – und damit auch um die Ernährungssicherheit. Zu Recht sieht die Ministerin die Agrarbranche auf einem "guten Weg", was der jüngste Bericht zum Absatz von Pflanzenschutzmitteln (PSM) des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) belegt.

Eher reflexhaft wirken die Einlassungen verschiedener Nichtregierungsorganisationen (NGO), die auf durchschaubare Weise versuchen, den Bericht in ihrem Sinne umzudeuten. Bedenklich stimmt allerdings, wenn andere Behörden wie das Umweltbundesamt (UBA) den BVL-Bericht relativieren, indem dieses beispielsweise auf ein im EU-Vergleich weiterhin hohes PSM-Niveau hinweist. Das UBA mahnt sogar, dass der Absatzrückgang nicht über eine mangelhafte Entwicklung "hinwegtäuschen" könne. Sicherlich, Berichte lassen sich unterschiedlich interpretieren. Entscheidend sind aber seriös ermittelte Zahlen und Fakten. Und auf denen basiert der BVL-Bericht.

Mehr Kritik ist in diesem Zusammenhang an der Naturbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) angebracht. Mittels vorgefertigter Antworten befragt die Studie Bürger zu ihrer Einstellung in Sachen Natur und Umwelt.

Die Teilnehmer sollen auf einer Skala angeben, wie sehr sie vorformulierten Aussagen zustimmen, zum Beispiel ob ihnen "Schutzgebiete wichtig sind, um die Natur für nachfolgende Generationen zu bewahren". Das Ergebnis: 95%ige Zustimmung. Aber wen wundert´s? Niemand wettert pauschal gegen Umwelt- und Naturschutz. In der Studie fehlt die Benennung von Zielkonflikten, zum Beispiel inwieweit sich eine Ausdehnung von Schutzgebieten auf die Erzeugung regionaler Lebensmittel oder den Lebensmittelpreis auswirken darf.

Auf einer ähnlich tendenziösen Linie bewegen sich die Fragen zur Gentechnik. So ist erwartbar, dass laut der Studie 88 % der Befragten der Meinung sind, dass die langfristigen Folgen moderner Verfahren wie CrispR/Cas noch nicht abzusehen seien und nur 36 % der Befragten Vertrauen darin haben, wenn Wissenschaftler bestätigen, dass die neuen Verfahren sicher sind. Von einer Abwägung zwischen Chancen und Risiken fehlt bei den Fragen leider jede Spur. Zumal für eine seriöse Risikoabschätzung tief gehendes Fachwissen erforderlich ist.

Fazit: Für Bürger wird es immer aufwendiger, sich eine unabhängige Meinung zu bilden, wenn Behörden zunehmend und einseitig in die Meinungsbildung eingreifen. Grundsätzlich problematisch wird es, wenn dadurch Mehrheitsmeinungen von der Faktenlage abweichen. Politiker zwingt das in einen schwierigen Spagat. Langfristig kann jedoch nur Fachverstand die Basis guter politscher Entscheidungen sein. Hier gilt demnach – anders als beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – nicht der Grundsatz: "so wenig wie möglich, so viel wie nötig".

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