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Fachgerechte Unterweisung für die Auszubildenden ist Chefsache. Foto: Landpixel

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Der Feiertag am 1. Mai geht auf das Jahr 1886 zurück. Am Vorabend des Tages fand eine Arbeiterversammlung auf dem Haymarket in Chicago statt. Die Streikenden wollten die Reduzierung der Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden durchsetzen. Nach der Haymarket Versammlung folgte ein mehrtägiger Generalstreik in Chicago. Als am 3. Mai die Polizei einschritt, um eine Versammlung von Streikenden nahe dem Erntemaschinenbetrieb McCormick aufzulösen, kam es zu Tumulten und Schüssen durch die Polizei, wobei Streikposten getötet wurden. Das löste eine Protestkundgebung aus, bei der ein Unbekannter eine Bombe warf und bei Polizisteneingriffen zahlreiche Menschen starben. In Gedenken an dieses Ereignis begingen am 1. Mai 1890 Hunderttausende Menschen in Europa den ersten "Tag der Arbeit". Ein Jahr zuvor hatte der Internationale Arbeiterkongress in Paris zu einem "Weltfeiertag der Arbeit" aufgerufen. Daraus sind die Maikundgebungen der Gewerkschaften entstanden.

Landwirte und Beschäftigte in der Landwirtschaft zählen nicht zu den klassischen Vertretern, die mit einer roten Nelke im Knopfloch zu Maikundgebungen gehen. In der Landwirtschaft ist jeder Tag Tag der Arbeit. Statistiken weisen mit 49,9 Wochenstunden im Durchschnitt immer noch mit die höchsten Arbeitszeiten in der Landwirtschaft aus. Darin steckt auch ein Hinweis auf den Fachkräftemangel und eine Aufforderung an die Betriebsleiter, Arbeitsplätze attraktiv zu gestalten. Dass dies in den meisten Fällen gelingt und Landwirtschaft nicht einfach nur ein Job ist, sondern eine wertvolle und anspruchsvolle Aufgabe, die gleichermaßen sinnstiftend ist, das beweisen die Ausbildungszahlen in den Agrarberufen und die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge, die seit Jahren weitgehend konstant sind. Dabei steigt sogar der Anteil der Landwirtschaftsexternen unter den Auszubildenden. Das zeigt, die Arbeit des Landwirts ist begehrt. Das zeigt aber auch, wie groß die Verantwortung der landwirtschaftlichen Ausbilder und Arbeitgeber ist, das positive Bild zu erhalten und zu transportieren, um gute Fachkräfte und Auszubildende für den Beruf zu begeistern. Deshalb hat der Berufsstand in Schleswig-Holstein ein Leitbild für die Aus- und Fortbildung zum Landwirt entwickelt und 2020 verabschiedet.

Die Ausbildung legt das Fundament für eine zukunftsfähige Landwirtschaft und prägt somit das Bild der Landwirtschaft der Zukunft, heißt es im Leitbild. Produktionstechnische Kompetenzen sind die Grundlage bei der Erzeugung von Rohstoffen für hochwertige Lebensmittel, die den gesellschaftlichen Erwartungen an Produkt- und Prozessqualität entsprechen. Die Ausbilder sind sich einig, dass für alle Aufgaben eine umfassende fachliche Expertise benötigt wird, aber zukünftig weitaus stärker methodische, soziale und personale Kompetenz. Sie bekennen sich bei Fragen des Arbeitsschutzes und der Gleichbehandlung, auch bei der Einhaltung der Arbeitszeitregelungen zu ihrer Fürsorgepflicht und streben ein verlässliches und transparentes Arbeitszeitmanagement an. Ausbilder leben Werte und Haltungen vor. Neben Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und wertschätzenden Umgangsformen gehören dazu auch der respektvolle Umgang mit Lebewesen, ganzheitliches Denken im Sinne der Nachhaltigkeit um Einklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem sowie der sorgsame Umgang mit Ressourcen.

Am Ende sollte ein ausgewogenes Arbeitsmanagement das Ziel sein, durch das nicht nur ein Haufen Arbeit geleistet werden muss, sondern rund um die Uhr 24/7 Emotionen und Begeisterung gelebt werden können.

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