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In der Schweinemastanlage in Vogelsang, Landkreis Rostock, ist die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen. Mehr als 4.000 Tiere müssen gekeult werden. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Am Montag wurde in einem Schweinemastbestand in Vogelsang, Landkreis Rostock, die Afrikanische Schweinepest (ASP) amtlich festgestellt. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Rostock hat den Betrieb gesperrt sowie eine Schutzzone im Radius von 3 km und eine Überwachungszone im Radius von 10 km um den Seuchenausbruchsbestand verfügt. Vom Ort des ASP-Ausbruchs liegt die Grenze zu Schleswig-Holstein nur gut 100 km entfernt über die Landstraße B 104 oder die Autobahn A 20; Luftlinie – also querfeldein – ist es noch weniger. Damit rücken die Einschläge näher. Bisher trat die ASP in Deutschland in Brandenburg und Sachsen auf. Seit September 2020 wurden mehr als 2.700 Fälle bei Wildschweinen festgestellt. In Brandenburg kam es im Juli zu drei Fällen in Schweinehaltungen, zwei davon in Kleinsthaltungen mit wenigen Tieren sowie in einem Betrieb mit rund 330 Tieren. Mit einem Bestand von mehr als 4.000 Tieren ist jetzt eine andere Größenordnung erreicht.

Das Besondere an diesem Fall ist, dass es sich um einen Punkteintrag mitten in Mecklenburg-Vorpommern handelt. Dem Ausbruch ist kein Nachweis bei Wildschweinen vorausgegangen. "Das hat es so in Deutschland noch nicht gegeben und ist für uns nicht nachvollziehbar", kommentierte Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus (SPD). Die epidemiologische Beratungsgruppe des Friedrich-Loeffler-Instituts untersucht den Ausbruch auf Anfrage des Landes Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem zuständigen Veterinäramt vor Ort, um den Eintragsweg sowie mögliche weitere gefährdete Betriebe zu ermitteln. Das ist reinste Detektivarbeit. Wenigstens lässt sich das Virusgeschehen auf dem Mastschweinebestand genau eingrenzen und es kann ganz gezielt gehandelt werden.

Aber es ist ein weiteres Bundesland betroffen und die Restriktionszonen werden ausgeweitet. Durch die neuen Sperr- und Beobachtungsgebiete muss für ausreichend Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten gesorgt werden für die Betriebe, die innerhalb dieses Bereichs liegen. Die Markteinschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Mit dem neuen Ausbruch stellt sich erneut die Frage: Warum arbeiten Bund und Länder bei der Bekämpfung von ASP nicht zusammen? Und natürlich wird bald hinter vorgehaltener Hand und anschließend immer offener gefragt werden, ob Fahrlässigkeit im Spiel war. Dann hätte die Landwirtschaft verloren in den Medienberichten. Die Möglichkeiten einer Infektion sind vielfältig. Geradezu existenziell ist es, dass die Hygienekonzepte im Blick behalten und Bio­sicherheitsmaßnahmen überprüft werden, dabei kann die ASP-Ampel helfen.

Was war die Infektionsquelle? Futterlieferungen, vernachlässigter Kleidungswechsel? Ein Jagdbesuch und ungewaschene Gummistiefel? Dazu kann man nur sagen: Die Wildschweinebejagung hat hohe Priorität zur Eindämmung der Seuche, vor allem in Infektionsgebieten. Die Jäger unter den Schweinehaltern müssten sich unter diesen Umständen dennoch fragen, ob nicht ein selbstauferlegtes Hahn in Ruh' für die östlichen Jagdregionen angesagt ist. Verantwortung zählt. Die Schweinehalter sitzen bei dieser Lage alle in einem Boot.

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