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Bei einer Fahrzeugkontrolle wurden die infizierten Fleischprodukte sichergestellt. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Eine Schreckensmeldung ging vor wenigen Tagen durch die digitalen Netzwerke und Informationsmedien der Agrarbranche. Erst jetzt wurde öffentlich: Bei einer Fahrzeugkontrolle durch Zollfahnder im Landkreis Offenbach in Hessen wurden am 19. Dezember aus einem Lieferwagen mit rumänischem Kennzeichen zirka 500 kg Fleischprodukte sichergestellt. Die Ware wurde beschlagnahmt und an das zuständige Veterinäramt übergeben. Anschließende Untersuchungen auf Tierseuchenerreger – insbesondere auf das Afrikanische-Schweinepest-Virus – führten zu positiven Befunden. In drei Proben befand sich ASP-Virus-Genom, teils in hoher Menge. Die anschließende Analyse des Probenmaterials im nationalen Referenzlabor für Afrikanische Schweinepest (ASP) am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald bestätigte die ersten Ergebnisse.

ASP-Viren können in unbehandelten sowie gepökelten Fleischprodukten lange überleben. So können die Viren auch über große Strecken transportiert und verschleppt werden. Im vorigen Jahr wurde am 10. September der erste ASP-Fall an einem Wildschweinkadaver aus dem Spree-Neiße-Kreis in Brandenburg vom FLI bestätigt. Bis Mitte Januar dieses Jahres wurden bereits 555 Fälle gezählt. Bislang konzentrierten sich die Funde auf Standorte in Brandenburg und Sachsen in der Nähe der polnischen Grenze. Auf den ersten Blick von außen trifft die ASP nach den Zahlen der aktuellen Landwirtschaftszählung "nur" 20.500 Schweine haltende Betriebe und natürlich die von ihnen belieferten Schlachthöfe. Aber in Wirklichkeit geht es um Existenzen eines ohnehin gerade gebeutelten Wirtschaftszweiges und einer ganzen Branche. Ist der Erreger in eine Population gelangt, sind drastische Maßnahmen zur Bekämpfung nötig. Weil bislang kein Impfstoff zur Verfügung steht und ein solcher in der EU aktuell auch nicht angewendet werden dürfte, kommt zur Eindämmung nur die Keulung der betroffenen Hausschweinebestände infrage, außerdem massive Einschränkungen beim Transport von Schweinen.

Natürlich darf man anmerken, dass seit dem Fund am 19. Dezember einige Zeit vergangen ist, und vielleicht zeigt der Fund sogar nur die Spitze eines Eisberges. Doch bei aller Skepsis auch gegenüber Kontrollen oder Ordnungsbehörden kann man sich nur bedanken, wie gut offenbar vieles läuft. Wenn bei Fleischfunden am Zoll kritische Schlüsse gezogen werden wie hier, ist viel gewonnen. Es zeigt, dass die direkten Kontrollsysteme funktionieren und die Untersuchungsinstitute gewissenhaft arbeiten. Der Fall verdeutlicht, wie groß die Gefahr der Verschleppung ist und dass jede Fahrlässigkeit zur Falle werden kann.

Es ist noch einmal gut gegangen – oder Glück gehabt, wie man sagen könnte. Damit das Glück anhält, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein. Denn gegen diese Form der Einschleppung hilft kein Zaun, nur Aufklärung, Verantwortungsbewusstsein und weitsichtige Kontrolle. Verbraucher und vor allem die in der Landwirtschaft beschäftigten Saisonarbeitskräfte müssen weiter informiert und sensibilisiert werden, Fleischabfälle sicher zu entsorgen und keine Produkte aus gefährdeten Regionen einzuführen. Wachsam bleiben!

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