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Im ländlichen Raum findet Weihnachten auch auf dem Acker statt. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Wenn es auf Weihnachten zugeht und die Tage ruhiger werden, ist Zeit innezuhalten und zurückzublicken, was das Jahr gebracht hat. Es begann mit einem Abschied. Das Vereinigte Königreich hat nach zähem Ringen die Europäische Union verlassen. Die EU-Mitglieder haben sich mit Verzögerung auf einen Plan für die Entwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) für die kommenden sieben Jahre verständigt. Die Beschlussfassung des EU-Parlaments fand im November statt und die nationalen GAP-Strategiepläne müssen nun bis Ende Dezember der EU-Kommission vorgelegt werden.

Vertreter aus Landwirtschaft, Handel, Politik und den verschiedensten zivilgesellschaftlichen Gruppen diskutierten in der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) über ein Jahr miteinander über ihre Vorstellungen und Visionen zur zukünftigen Ausrichtung der Landwirtschaft. Dabei müssen die ersten Gespräche an den Turmbau zu Babel aus dem XI. Kapitel der Genesis erinnert haben und das Sprechen in verschiedenen Sprachen. Diese Phase wurde erfolgreich überwunden, das zeigt der gemeinsame Konsens, der im Abschlussbericht der ZKL niedergelegt wurde. Nach der Wahl zum Deutschen Bundestag setzt sich die Regierungskoalition aus neuen Partnern zusammen. Änderungen am Politikstil dürften sich nicht nur darin zeigen, dass die Ressorts neu besetzt wurden, sondern auch darin, dass das Parlament jünger geworden ist.

Die Flutkatastrophe in der Ahrtal-Region hat uns mit ihrer zerstörerischen Kraft gezeigt, wie fragil und verletzlich unsere Infrastruktur ist. Kleinstädte, Dörfer und Felder wurden verwüstet, Tausende wurden obdachlos und viele starben in den Fluten. Die Folgen der Flut werden die Betroffenen noch lange beschäftigen und sichtbar bleiben.

Nicht nur das Wasser, auch Seuchen haben viele heimgesucht. Die vierte Corona-Welle rollt inzwischen durch das Land, mit wachsendem Bedrohungspotenzial und zunehmenden Einschränkungen. Die fünfte Welle steht mit der Omikron-Variante unmittelbar bevor. Und durch die Ställe im Land weht die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) und der Geflügelpest. Die Auswirkungen von ASP und Corona sind in Kombination sogar so massiv, dass Märkte zusammenbrechen und die Existenz von Schweinehaltern bedrohen, zusätzlich zu den politischen Gefahren für die Tierhalter.

Von "alle Jahre wieder" kann keine Rede sein. Wenn ein Staat die Wirtschafts- und Wertegemeinschaft verlässt, ist das ein einmaliges Ereignis. Die jetzt beschlossenen Ergebnisse der GAP werden sich so auch nicht wiederholen. Die Vielfalt von Sprachen, Kulturen und Lebensformen ist keine Strafe, sie hat sich im Falle der ZKL als sehr bereichernd, wertvoll und zielführend herausgestellt. Nach der Flutkatastrophe hat die Welle von Unterstützung durch Spenden und Anpacken gezeigt, wie einzigartig der Zusammenhalt, die Solidarität und Hilfsbereitschaft unter den Landwirten und der übrigen Bevölkerung sind. Mit Blick auf diesen starken Zusammenhalt können wir mit Optimismus auf die vor uns liegenden Herausforderungen blicken.

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