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Ulla Hahn Foto: Julia Braun/hfr

Zum 23. Mal fand in diesem Jahr der Literaturtag des KreisLandFrauenverbandes Nordfriesland statt. Im Mittelpunkt stand diesmal die Schriftstellerin und Lyrikerin Ulla Hahn. In der Nordseeakademie in Leck verstand es Referentin Dr. Mechtild Hobl-Friedrich, die Hahn persönlich kennt und sie mehrfach in Hamburg besuchte, die Zuhörerinnen mit der Biografie und ausgewählten Texten von Hahn zu fesseln.

Geboren am 30. April 1945 in Brachthausen wuchs Ulla Hahn mit ihrem jüngeren Bruder Bertram in Monheim am Rhein auf. Ihre Kindheit war nicht einfach, ihr Vater neigte zum Jähzorn und von der Mutter erfuhr sie wenig Zuwendung. Nach dem Realschulabschluss musste sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau machen. Mithilfe ihres ehemaligen Lehrers konnte sie 1964 ihr Abitur nachholen, studierte anschließend Germanistik, Soziologie und Geschichte an der Universität Köln. 1978 promovierte sie zum Dr. phil. Sie arbeitete als Journalistin bei Radio Bremen, als Lehrbeauftragte für Germanistik an den Universitäten Bremen, Hamburg und Oldenburg. Zeitweise war Ulla Hahn Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei. Um zu verstehen, in welcher Zeit Ulla Hahn aufwuchs und agierte, zeigte Hobl-Friedrich einen politisch-chronologischen Abriss auf von der Gründung der Bundesrepublik bis zur Protestbewegung der 1968er Jahre.

1981 setzte sich Marcel Reich-Ranicki für sie als Lyrikerin ein. Bei einem zufälligen Treffen in Wien, einer Fernsehdiskussion über Frauenliteratur, kam sie mit ihm in Kontakt. Ulla Hahn schickte ihm Gedichte und Reich-Ranicki war verblüfft ob "so einer Lyrik von einer Frau". Ihre ersten Gedichte wurden veröffentlich. "Herz über Kopf" avancierte 1983 zum Bestseller. Allerdings verriss Reich-Ranicki später ihre Prosawerke, was kaum zu verstehen sei, so die Referentin.

1966 heiratete sie Klaus von Dohnanyi, den ehemaligen Bürgermeister von Hamburg. Seitdem lebt sie in der Hansestadt.

2001 erschien ihr Roman "Das verborgene Wort". Dieses Werk setzte sie mit den nachfolgenden Werken "Aufbruch", "Spiel der Zeit" und "Wir werden erwartet" als Tetralogie fort. Diese vier Romane zogen sich wie ein roter Faden durch den Literaturtag. In diesen erzählt Ulla Hahn anhand der Protagonistin Hilla Palm, wie sie es selbst geschafft hat, aus dem engen, traditionellen Leben ihres Elternhauses ihren eigenen Weg zu finden und zu gestalten. Das wurde sehr deutlich, als sich die Teilnehmerinnen in Gruppenarbeit mit diversen Texten, sowohl Lyrik als auch Prosa, beschäftigten.

Ulla Hahn erhielt mehrere Auszeichnungen, unter anderem ein Stipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo, den Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg, den Deutschen Bücherpreis und die Ehrendoktorwürde der Universität Heidelberg. Nach Hahn ist der seit 2012 alle zwei Jahre vergebene "Ulla Hahn Autorenpreis" der Stadt Monheim am Rhein benannt.

2013 wurde in ihrem Elternhaus das Ulla-Hahn-Haus eröffnet, das sich der Sprach- und Leseförderung für Kinder und Jugendliche widmet.

Abgerundet wurde der kurzweilige und literarische Tag, der die Lust auf Hahns Werke weckte, durch eine Buchvorstellung einiger anderer aktueller Bücher.

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