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Der Zucker in der Eimasse hat sich durchs Rühren gelöst, nun kommt der Alkohol dazu. Foto: Silvie Domann

Leise brummt das elektrische Rührwerk und vermengt die gelbe Zucker-Ei-Masse mit dem Alkohol. Ein kleiner Strudel bildet sich in dem großen Glasgefäß. Langsam steigt der Duft von Eierlikör in die Nase. 5 l setzt Ulrich Bultmann gerade an, weitere 5 l folgen. Ende vergangenen Jahres hat er die Destille "Hunnbloom" in Bad Segeberg eröffnet.

"Ich habe 150 Bioeier in Nehms gekauft und konnte mir die Hühner anschauen", erzählt der Destillateur begeistert, denn das entspricht genau seiner Philosophie: regionale und qualitativ hochwertige Zutaten. Neben Eigenkreationen destilliert er auch für andere nach deren Rezepten.

Da er gern mit Aromen von Pflanzen, die vor der Haustür wachsen, experimentiert, hat er sich für den plattdeutschen Namen von Löwenzahn "Hunnbloom" entschieden. Auch sein Kräuterlikör heißt so, natürlich mit Löwenzahn – eine Mischung aus geröstetem Wurzelextrakt und Blütensirup der Pusteblume. Einzeln haben sie Bultmann nicht geschmeckt, doch die Kombination im Likör ist lecker.

Pflanzenteile sammeln, Extrakte herstellen und die richtige Zusammensetzung finden – das steht am Anfang einer neuen Spirituose. So hat Bultmann im Herbst die Früchte der Baumhasel gepflückt. Eine Metalldose voll ist bereits geknackt. Die Haselnüsse werden geröstet und über Nacht in Alkohol eingelegt. Dann wird destilliert. "Denn ich destilliere, ich brenne nicht", sagt der 35-Jährige und erklärt, dass er keine Gärprodukte zu Alkohol brenne. Das lohne energetisch nicht, zumal die Alkoholproduzenten die Schlempe – den kohlenhydrathaltigen Rückstand einer Gärflüssigkeit nach dem Abdestillieren des Alkohols – als Brennstoff einsetzen. So kauft er Alkohol ein und veredelt ihn. "Alkohol hat die höchste Steuerlast in Deutschland: 13,03 Euro pro Liter reinem Alkohol."

Demnächst will Bultmann Bärlauch, Waldmeister und Rhabarber sammeln, Extrakte daraus gewinnen und eigene Spirituosen entwickeln. Welche Aromen harmonieren miteinander, welche Menge muss eingesetzt werden, damit der hochprozentige Tropfen mundet? Bultmann tüftelt im Labormaßstab und probiert die verschiedenen Destillate. "Bei mir ist das Schmecken Arbeit", sagt er – maximal ein Schnapsglas Alkohol pro Tag, wenn er experimentiert. Denn derzeit teilt er seine Arbeitszeit zwischen Schule und Destille auf.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 17/2020 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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