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Früher herrschte allgemein der Glaube, dass es zwischen Weihnachten und Dreikönig nicht ganz geheuer zugehe. Foto: Claudia Beckers/Pixelio

Für die Menschen früher waren die Tage nach Weihnachten eine dunkle, unheimliche Zeit. Dr. Nils Kagel, Vorsitzender der Gesellschaft für Volkskunde in Schleswig-Holstein, berichtet über Sagen und Bräuche rund um die Raunächte.

Als die zwölf Nächte oder einfach nur "de Twölften" werden in Norddeutschland allgemein die zwölf Tage zwischen Weihnachten, 25. Dezember, und dem Dreikönigstag (Ephiphanias), 6. Januar, bezeichnet. Auf Eiderstedt und dem Stapelholm werden sie einfach nur "twischen de Daag" genannt. In Süddeutschland sind sie als Raunächte bekannt. Ursprünglich bezeichneten sie den Zeitraum des christlichen Weihnachtsfestes, von dem heute neben dem Heiligen Abend nur noch zwei Feiertage und der Dreikönigstag im allgemeinen Bewusstsein geblieben sind.

Bei näherer Betrachtung fallen die biblischen Bezüge ins Auge: Im Alten Testament werden die zwölf Stämme Israels genannt. Zwölf Apostel verbreiten das Evangelium, und zwölf Tore besitzt das himmlische Jerusalem in der Offenbarung des Johannes. Die Zahl Zwölf hatte jedoch bereits in der klassischen Antike ihren festen Platz im Rahmen der Zeitrechnung und der Mythologie. Nicht zuletzt weist der durch Julius Cäsar eingeführte julianische Kalender zwölf Monate auf, und der Tag umfasste schon im alten Ägypten 24, also zweimal zwölf Stunden.

Allgemein herrschte früher der Glaube, dass es während der "Zwölften" nicht ganz geheuer zugehe. Es ist eine buchstäblich dunkle Zeit und eine Zeit des Übergangs, mit der sich zahlreiche Vorstellungen und Bräuche verbinden. Eine der am weitesten verbreiteten Vorstellungen war die Sage vom Wütenden Heer oder der Wilden Jagd. Demnach zieht eine wilde Jagdgesellschaft oder ein wütender Heerhaufen unter lautem Getöse durch die Lüfte, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Angeführt wird die Jagd von ganz verschiedenen Gestalten. In Norddeutschland tun dies vor allem der Helljäger und Wode (Wau). Das Motiv der Wilden Jagd hat seinen Ursprung nachweislich in der Antike, wo bereits von über den Himmel ziehenden Totenheeren die Rede ist. Es ist somit eines der ältesten Sagenmotive, die wir kennen. Es war nicht nur in Deutschland, sondern in großen Teilen Europas verbreitet.

Im Lauenburgischen hieß es, dass man vor Sonnenuntergang die Tür schließen solle, da es ansonsten passieren könne, dass der Wode mit der Jagd einziehe und einer seiner schwarzen Hunde für ein Jahr im Haus liegen bleibe. In vielen anderen Gegenden wurde behauptet, dass vorlautes Zurufen dazu führe, dass der Jäger den Rufer bestrafe oder gar mit auf die Jagd nehme. Derjenige, dem dies widerfahre, könne froh sein, wenn er nur mit dem Schrecken davonkomme. Gerade das Element der Entführung weist starke Parallelen zu heutigen Ufo-Sagen auf, in denen Außerirdische ihre Opfer mitnehmen, um sie zu untersuchen oder mit ihnen zu experimentieren. Hierbei verbindet sich der Glaube an überirdische Mächte mit dem modernen Anspruch auf wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 52/53/2020 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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