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Als wegen Corona Yoga ausfallen musste, griff die pfiffige Yogalehrerin Angela Zell zum Telefon. Reihum macht sie mit ihren Frauen Yogaübungen übers Handy – jede für sich im eigenen Zuhause. Das bunte Bauerntuch um die Stirn ist ihr Markenzeichen. Fotos: Assia Tschernookoff

Seit 65 Jahren schon schwingt Angela Zell den Tennisschläger. Vor vierzig Jahren hat sie die Tennissparte des HMTV Hetlinger Männer-Turnvereins von 1903 (Kreis Pinneberg) mit aufgebaut und ist bis heute als Übungsleiterin in der Jugendarbeit aktiv. Sie selbst spielt in der Damenmannschaft, mit der sie etliche Pokale gewonnen hat. Außerdem findet unter ihrer Regie jeden Freitag Yoga in der Turnhalle und jeden Dienstag in ihrer Bauernstube statt.

Ihre Leidenschaft für Tennis entdeckte Angela Zell nach Kriegsende als sechsjähriges Mädchen. Auf ihrem Nachhauseweg nach der Schule kam sie jeden Tag an einem noblen Kurhotel vorbei. Dort hangelte sie sich am Maschenzaun hoch, um den ganz in Weiß gekleideten Gästen, alle Engländer, beim Tennisspiel zuzuschauen.

Eines Tages flog ein Ball über den Zaun. Die Spieler kramten ihr spärliches Deutsch zusammen, um das Mädchen zu fragen, wo dieser hingeflogen sei. "Nein, ich habe ihn nicht gesehen", schüttelte sie den Kopf und zwang sich, nicht in die Richtung zu schauen. Natürlich wusste sie ganz genau, wo er gelandet war. Als die Spieler zum Mittagessen den Platz verließen, war ihre Chance gekommen, um den Ball aus seinem Versteck aufzuklauben. Stolz und glückselig nahm sie ihren Fund mit nach Hause und hütete ihn fortan wie ein wertvolles Goldstück. "Schneeweiß war der Tennisball und duftete so wunderbar nach Gummi", erinnert sie sich, "heute sind die Bälle gelb."

Einen Schläger hielt sie allerdings erst zehn Jahre später in der Hand, als nämlich die Firma Siemens – der Vater arbeitete dort als Maschinenbauingenieur – für seine Münchner Mitarbeiter ein Sportgelände baute. "Da durfte ich dann endlich Tennis spielen", erzählt Angela Zell.

Als ihr Mann 1964 nach Hamburg versetzt wurde, bedeutete das nicht nur Abschiednehmen von Bayern und ihrer Familie, sondern auch vom Tennisspielen. Zehn Jahre sollte es dauern, bis sie ihren geliebten Tennisschläger wieder schwingen konnte.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 19/2021 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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