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Svenja Thomas prüft das Duftaroma der frisch gerösteten Bohnen. Weitergegebene Tradition, jahrelange Erfahrung und das richtige Gespür weisen ihr den Weg zum perfekten Röstergebnis. Die Rösttrommel stammt aus den 1940er Jahren und verrichtet zuverlässig ihren Dienst. Foto: Christiane Herrmann

Tradition und Innovation sind kein Gegensatz. Auch nicht für einen kleinen, aber feinen Spezialitätenhersteller, der seinen Sitz in einem Hinterhof in Neumünster hat. Seit 90 Jahren wird an diesem Standort Kaffee geröstet, und in diesem Jahr kam eine regionale Kaffeesorte hinzu, die aus heimischen Lupinen hergestellt wird.

Svenja Thomas ist die dritte Generation ihrer Familie, die die Kaffeerösterei Holstein ­Kaffee in Neumünster betreibt. Doch in ihrer Jugend konnte sie sich zunächst nicht für Kaffee erwärmen. Zum Glück für die Kaffeeliebhaber im Norden entschied sie sich 2006 dann doch, in das Familienunternehmen einzusteigen und es weiterzuführen. Sie und auch ihr Mann Matthias haben das Kaffeerösten nicht in einer Ausbildung, sondern direkt von Svenjas Vater Ronald Röse gelernt. Inzwischen ist sie die Geschäftsführerin der kleinen Rösterei. Ein ungewöhnliches Unternehmen, das nicht auf ewiges Wachstum setzt, sondern die Qualität und die Spezialisierung auf wenige besondere Kaffeesorten in den Vordergrund stellt. Die Kaffeebohnen, die in Neumünster geröstet werden, beziehen sie von ausgesuchten Importeuren. "Ich habe nicht selbst die Zeit, in alle Länder zu reisen, in denen unser Kaffee angebaut wird. Deswegen vertraue ich auf meine Importeure, die vor Ort kontrollieren, dass der Kaffee zu fairen Bedingungen angebaut wird", erklärt Svenja Thomas. Da passte es für die Unternehmerin auch ins Konzept, dass sie sich auf etwas ganz Neues einließ: ein Kaffeegetränk, das aus den Samen der Weißlupine hergestellt wird. "Ich finde, das ist eine tolle Alternative für Menschen, die Wert auf regionale Produkte legen und eben nicht möchten, dass ihr Kaffee um die halbe Welt gereist ist." Denn die Lupinen wachsen hier in Schleswig-Holstein, auf der Sonneninsel Fehmarn.

Probieren und Lernen

Zunächst waren aber selbst Svenja und Matthias Thomas skeptisch. "Eine Händlerin hatte uns letztes Jahr eine Probe hiergelassen und dann haben wir einfach angefangen auszuprobieren." Bei Holstein Kaffee in Neumünster wird noch alles von Hand gemacht. Die einzige große Rösttrommel stammt aus den 1940er Jahren und eine Computersteuerung sucht man hier vergebens. Gerade diese Handarbeit ist die große Kunst. "Alleine wenn sich der Luftdruck oder die Luftfeuchtigkeit ändern, müssen wir den Röstvorgang anpassen. Wir regeln hier die Temperatur, die Luftzufuhr und die Zeit und überprüfen den Röstgrad, indem wir Proben ziehen." Der Rest ist Erfahrung, die schon vom Großvater an den Vater und jetzt an Svenja und Matthias Thomas weitergegeben wurde. Doch auf diese Erfahrung konnten sie bei den Lupinen kaum zurückgreifen. "Die ersten Röstungen sind richtig in die Hose gegangen", erzählt Svenja Thomas. "Aber das hat nur unseren Ehrgeiz geweckt. Mein Mann und ich haben so lange probiert und korrigiert, bis wir jetzt einen Kaffee hingekriegt haben, der ähnlich wie ein brasilianischer Kaffee schmeckt." Dann bestand noch die Schwierigkeit, von den kleinen Proberöstungen mit 125 g auf den großen Röster umzusteigen, in dem immer gleich 50 kg geröstet werden. "Die Lupinen müssen komplett anders ­geröstet werden. Aber das ist ja auch das Spannende an diesem Kaffee!"

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 49/2021 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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