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Birte Heckel-Neubert Foto: Silke Bromm-Krieger

Birte Heckel-Neubert kümmert sich für das Wildtierheim Preetz im Kreis Plön ehrenamtlich um die Aufzucht von Feldhasen und Wildkaninchen. Aktuell versorgt sie sieben Feldhasen und drei Wildkaninchen. Das Bauernblatt hat die Hasenmama und ihre wilden Flaschenkinder besucht.

Birte Heckel-Neubert steht in der Küche und bereitet konzentriert ein Fläschchen zu. Dafür vermischt sie warmen Fenchel-Anis-Kümmeltee mit laktosearmem Milchpulver, heilenden Zusätzen und Schmerztropfen. Ihr kleiner Patient sitzt derweil warm und trocken in seinem Käfig. Vorsichtig nimmt sie den Hasen nun heraus, und schon wenig später saugt er gierig die Flüssigkeit ins Mäulchen. Währenddessen massiert die 57-Jährige für eine bessere Verdauung seinen Bauch. "Dieser Notfallhase wurde im Alter von vier Wochen mit einem gebrochenen Hinterlauf in Preetz aufgefunden. Er kam zunächst in die Kleintierklinik nach Wasbek, wo sein Bruch genagelt wurde. Vom Tierarzt Carsten Rehder erhielt ich vor sechs Tagen einen Anruf mit der Bitte, mich weiter um ihn zu kümmern", erzählt Birte Heckel-Neubert und setzt den Kleinen nach der Fütterung wieder behutsam zurück. "Seine Genesung macht Fortschritte. Das sehe ich daran, dass er sich putzt, gut trinkt und keinen Durchfall hat", freut sich die gelernte medizinisch-technische Assistentin.

Als Landwirtstochter kam Birte Heckel-Neubert schon früh mit Haus- und Wildtieren in Kontakt, zog selbst unzählige Flaschenlämmer groß. Ihre Eltern bewirtschafteten einen Milchvieh- und Ackerbaubetrieb mit Schafhaltung, ihr Vater war Jäger. Seit zwölf Jahren hat sich die dreifache Mutter und vierfache Großmutter der Handaufzucht von Feldhasen und Wildkaninchen verschrieben. Alles begann im Sommer 2009. "Da rief mein Bruder an und meinte, dass seine Katze zwei kleine Feldhasen angeschleppt habe. Er fragte, ob ich sie aufziehen möchte", blickt die Schellhornerin zurück. Mit Elan machte sie sich ans Werk und recherchierte im Internet nach Pflegeanleitungen. "Leider überlebte einer der Hasen nicht. Seine Bissverletzung war zu groß. Deshalb setzte ich meine ganze Fürsorge in den anderen. Glücklicherweise kam er durch, und ich konnte ihn zurück in die Natur bringen", erzählt sie.

Da ihr die Aufzucht viel Spaß bereitet hatte, wollte sie nun jedes Jahr junge Feldhasen und Wildkaninchen aufpäppeln. Den Winter über erweiterte sie kontinuierlich ihr Fachwissen und tauschte sich mit verschiedenen Aufzuchtstationen aus. Im darauffolgenden Frühjahr bot sie beim Wildtierheim der evangelischen Kirchengemeinde Preetz ihre Unterstützung an. Hier erhalten verletzte, verwaiste und entkräftete Wildtiere und ihre Finder bei einem ehrenamtlichen Team um Leiterin Wiebke Bahruth schnelle Hilfe.

Aber aller Anfang war schwer. Von den ersten sieben Häschen, die sie übernahm, starben etliche. "Obwohl ich wusste, dass in der Natur auch nur eines von zwölf Jungtieren überlebt, deprimierte mich das", gesteht sie. Mit Unterstützung ihres Tierarztes, der ihr bei der Therapie stets zur Seite steht, setzte sie alles daran, die Aufzucht zu optimieren. Mit Erfolg. In einem Buch, das 2020 erschien, und auf ihrem YouTube-Kanal "Wilde Flaschenkinder" gibt sie ihre Aufzuchterfahrungen weiter.

Gesetzeslage beachten

Mittlerweile nimmt sie jährlich bis zu 120 Jungtiere in Obhut, rund 60 % genesen und erhalten in freier Wildbahn eine zweite Chance. Oft klingelt bei der Ehrenamtlichen das Telefon und am anderen Ende sind Menschen, die gerade ein Häschen gefunden haben. "Dann wissen sie nicht, was sie tun sollen. Nicht überall ist eine Wildtierhilfe oder eine Aufzuchtstation in der Nähe", weiß Birte Heckel-Neubert.

Unbedingt zu bedenken sei, dass Feldhasen und Wildkaninchen dem Jagdrecht unterlägen. "Wer ein gefundenes Jungtier an sich nimmt, begeht im Sinne des Jagdgesetzes Wilderei. Deshalb sollte man zuerst den Jagdinhaber ausfindig machen und um Erlaubnis fragen, das Tier mitzunehmen. Bei Polizeistationen erfährt man, wer die umliegenden Revierinhaber sind", informiert sie. Auch gelte es, das Tierschutzgesetz sowie das Landesjagd- und Bundesjagdgesetz zu beachten. "Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", gibt sie allen Findern mit auf den Weg. Übrigens nehmen Leute manchmal auch unverletzte Junghasen mit. Birte Heckel-Neubert plädiert dafür, sie an den Fundort zurückzusetzen. "Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass die Hasenmutter das Junge nicht mehr annimmt, wenn es von Menschen angefasst wurde."

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 13/2021 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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