Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Küster Tim Schröder dreht das Hemdchen, Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski hilft ihm dabei. Foto: Silke Bromm-Krieger

Im Schleswiger Dom rankt sich eine Legende um eine kleine Holzfigur des Jesuskindes. Sie hat ihren Platz in einem Tabernakel am Bordesholmer Altar von Hans Brüggemann gefunden. Pastorin Christiana Lasch-Pittkowski und Domküster Tim Schröder lüften das Geheimnis um dieses Relikt aus längst vergangener Zeit.

Was für eine Freude! Nach knapp vier Jahren, in denen der Schleswiger Dom umfangreich saniert wurde, erstrahlt er nun wieder im neuen Glanz. Beim Betreten kann man sich kaum sattsehen an den 33 aufwendig restaurierten Domfenstern aus dem 19. Jahrhundert, in denen sich an diesem Morgen die ersten Sonnenstrahlen brechen. Sie tauchen den Bordesholmer Altar, das Herzstück des Hohen Chores, in ein sanft-warmes Licht. Auf der Suche nach dem dortigen Jesuskind wird man jedoch zunächst nicht fündig. Wo mag es sich wohl versteckt haben? Da! In der Predella, dem Unterbau des Altars, inmitten von vier Darstellungen von Mahlgemeinschaften des Alten und Neuen Testaments, befindet sich eine halbrunde, vorragende Nische mit einem Tabernakel, das eine kunstvoll gestaltete Vergitterung hat. Dahinter blitzt etwas Weißes hervor. Erst beim näheren Hinsehen, für das Tim Schröder ausnahmsweise die Absperrung lüftet, erkennt man, dass es das Hemdchen des Jesuskindes ist. "Die Figur entstand wahrscheinlich um 1500 im belgischen Mecheln", informiert Christiana Lasch-Pittkowski, während der Domküster kurz nach hinten geht.

Als er zurückkommt, hält er das Jesuskind auf dem Arm. Vorsichtig stellt er es für eine genauere Betrachtung auf den Altar. Die Pastorin zeigt auf die linke Hand des hölzernen, 52 cm hohen Jesuskindes. "Hier trägt es eine Weltkugel", erklärt sie, um dann auf die rechte Hand hinzuweisen. "Hier hebt es die Finger zum Segensgruß." Sein filigranes Gesicht, das ein leises Lächeln andeutet, ist von Seitenlockenröllchen und geringelten Stirnlocken eingerahmt. Früher mögen sie goldfarben koloriert gewesen sein. Die Füße sind stark beschädigt, zudem weist der kastenförmige Sechskantsockel, auf dem das Jesuskind steht, einige Fehlstellen auf.

Nur mit Hemdchen

Seit alters her, so heißt es in Überlieferungen, ist das Jesuskind stets mit einem Hemdchen bekleidet gewesen, das zu Weihnachten erneuert wird. Darüber will die Pastorin gerade etwas ausführlicher sprechen, als sie spontan eine Entdeckung macht. "Das Hemdchen ist ja verkehrt herum angezogen", kommentiert sie mit einem Schmunzeln. Sofort macht sich Tim Schröder daran, den kleinen Fauxpas zu beheben, und liefert auch gleich die plausible Erklärung: "Im vorigen Jahr während der Bauarbeiten war es für mich nicht einfach, für das Wechseln des Hemdchens an das Jesuskind heranzukommen. Der Altar war dicht eingepackt und hinter Planen versteckt. Ich musste mich direkt in die Verpackung hineinbegeben und konnte dabei kaum etwas erkennen, weil es so dunkel war."

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 50/2021 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

nach oben