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Das Landesgut Moltsfelde in Boostedt bei Neumünster ist Teil des offenen Vollzugs der JVA Neumünster und bietet Gefangenen eine Beschäftigung sowie eine Perspektive auf ein Leben in Freiheit. Foto: Iris Jaeger

Auf den ersten Blick wirkt das Landesgut Moltsfelde in Boostedt bei Neumünster wie ein ganz normaler, kleiner landwirtschaftlicher Betrieb mit Gutshaus und -hof, Stallgebäuden und Schuppen. Und doch ist er etwas anders als andere Betriebe: Als Teil des offenen Vollzugs der Justizvollzugsanstalt (JVA) Neumünster beschäftigt der zertifizierte Biolandbetrieb Gefangene in der Landwirtschaft, Holz­aufbereitung sowie im Garten- und Landschaftsbau und bereitet sie auf ein Leben nach der Haft vor.

Offener Vollzug und Landwirtschaft – "das ist schon eine besondere Mischung. Ich wüsste nicht, dass es etwas Vergleichbares in anderen Bundesländern gibt", erklärt Vollzugsabteilungsleiterin Vera Splittgerber, die ihr Büro in einem der neuen Gebäude auf dem Gutsgelände hat. Ebenfalls in dem Gebäude befinden sich die Schlaf- und Aufenthaltsräume der Gefangenen. Gleich nebenan wird ebenfalls wieder gebaut: eine Werkhalle, die im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll und in der Gefangene dann ebenfalls die Möglichkeit erhalten, verschiedenen Arbeiten nachzugehen.

Seit gut drei Jahrzehnten ist das Landesgut Teil des offenen Vollzugs der JVA Neumünster. "Wir sind ein zertifizierter Bioland-Betrieb mit einer Deutsch-Angus-Herdbuchzucht, der Fokus liegt auf der Mutterkuhhaltung. Wir bewirtschaften zirka 120 Hektar Nutzfläche und kümmern uns um gut 50 Mutterkühe und deren Nachwuchs", erklärt Betriebsleiter Arne Reshöft die Strukturen.

Zu den landwirtschaftlichen Arbeiten kommen noch die Kaminholzaufbereitung sowie ein Garten- und Landschaftsbaubetrieb dazu. Neun bis maximal zwölf Gefangene sind auf dem Landesgut Moltsfelde neben den landwirtschaftlichen Mitarbeitern sowie den Angestellten der JVA beschäftigt und "anfangs nicht sonderlich begeistert von der Arbeit auf einem Bauernhof", berichtet Splittgerber.

Doch nach einiger Zeit fänden sie es meist ganz toll, "der Zusammenhalt hier ist ein anderer als im geschlossenen Vollzug, ebenso wie die Strukturen", so die Vollzugsabteilungsleiterin. Für viele sei es wie eine Art Familie, es werde zusammen gekocht, gegrillt, gegessen. Sie lernten, Verantwortung für sich zu übernehmen, für sich zu sorgen, einzukaufen, selbstständig zu leben. "Das kennen einige einfach nicht." Trotz der Freiheiten dürfe man aber nicht vergessen, dass sie immer noch in Haft seien.

Die Auswahl für den offenen Vollzug erfolgt nach einem bestimmten Prozedere, bei dem, je nach Haftlänge, alle sechs oder auch nur drei Monate ein Vollzugsplan erstellt wird. Es wird genau ermittelt, was der Gefangene in der Zeit zwischen den beiden Plänen erreicht hat. Die einzelnen Lockerungsstufen richten sich nach dem Vollzugsziel und beginnen mit dem begleiteten Ausführen des Gefangenen. Im Beisein von zwei Personen darf er zur Familie oder zu Behördengängen. Die nächste Stufe sind Begleitausgänge im Beisein einer Person zum Beispiel in die Stadt. Werden diese Ausgänge gut bewältigt und der Gefangene zeigt sich zuverlässig, besteht das nächste Ziel darin, ihn auf eine Haft­entlassung vorzubereiten. "Wir schauen, ob er alleinige Ausgänge bekommen kann oder ob er allein nach Hause darf. Kann das verantwortet werden? Hält er sich an die Regeln? Das wird genauestens geprüft und dann geschaut, ob er sich für den offenen Vollzug eignet, entweder im Freigängerhaus neben der JVA oder auf dem Landesgut.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 51/52/2021 unter der Rubrik "Land & Leute" und im digitalen Bauernblatt.

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