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Faszinierendes Spiralmuster: Blumenkohl Romanesco Foto: Anke Brosius

Über Generationen hinweg war der robuste, kälteunempfindliche und lagerfähige Kohl das Wintergemüse schlechthin. Seit durch Tiefkühltruhe und Supermarkt scheinbar alles jederzeit zu haben war, ging die Attraktivität von Kohl zurück: zu langweilig, zu bieder. Weil Kohl aber äußerst gesund ist, werden seine Vorzüge langsam wiederentdeckt und auch seine vielen Formen und Farben, die im Zeitalter der Gleichförmigkeit in Vergessenheit geraten waren.

Die allermeisten unserer gängigen Kohlarten stammen von der gleichen Ursprungsform ab: dem Wildkohl Brassica oleracea. Weil bei der Züchtung das Augenmerk jeweils auf unterschiedlichen Pflanzenteilen lag – Blättern, Stängeln, Blütenknospe – entstanden so unterschiedliche Formen wie Kopfkohl, Kohlrabi und Blumenkohl. Unser heutiger Grünkohl oder Krauskohl ist mit seinem aufrechten, hohen Wuchs und der offenen Blattrosette dem ursprünglichen Wildkohl am ähnlichsten. Als jüngste Züchtung entstand der Rosenkohl erst Ende des 18. Jahrhunderts in Belgien ("Brüsseler Kohl").

Mediterrane Variante

Palmkohl, auch Schwarzkohl genannt, ist die bei uns noch wenig bekannte mediterrane Variante des Grünkohls. Seine blasigen, dunkel- bis schwarzgrünen Blätter sind zarter und schmecken milder als Grünkohl. Möglicherweise war der seit der Antike bekannte Palmkohl sogar die Vorstufe für die Züchtung nicht nur des ihm so ähnlichen Grünkohls, sondern auch unserer Kopfkohlarten. Weil Palmkohl sehr dekorativ aussieht, wird er zuweilen auch als reine Zierpflanze kultiviert, aber dafür ist er mit seinem feinen Aroma viel zu schade.

Die schmalen, an den Rändern eingerollten Blätter werden 30 bis 50 cm lang und bilden eine mehrstufige Blattrosette. Wie beim Grünkohl erntet man beim Palmkohl die Blätter von unten nach oben, wodurch im Laufe des Herbstes und Winters die charakteristische Palmform entsteht, während an der Spitze immer neue, junge Blätter treiben. Nach Entfernen der dicken Blattrippe kann man die Blätter fein geschnitten roh als Salat oder gedünstet als Gemüse zubereiten. Palmkohl eignet sich auch sehr gut für winterliche Gemüseeintöpfe.

Der oben beschriebenen italienischen Form mit Sortenbezeichnungen wie 'Nero di Toscana' und 'Negro Romano' eng verwandt ist die in Spanien und Portugal angebaute Galizische Palme ('Couve Galega'). Sie ist Hauptbestandteil der portugiesischen Kohlsuppe Caldo verde und bildet bis zu 1,80 m hohe stammartige Strünke, die großen Blätter sind glatt und breit. Wie auch andere Kohlarten wird Palmkohl im April bis Mai vorgezogen und Ende Mai bis Mitte Juni mit rundum 50 cm Abstand auf ein sonniges Beet gepflanzt. Damit die Blätter zart bleiben, empfiehlt es sich, bei Trockenheit zu gießen. Sonst ist die Kultur robust und anspruchslos. Bezüglich der Winterhärte reicht Palmkohl als Kind des Südens zwar nicht an Grünkohl heran, aber leichte bis mittlere Fröste übersteht er auch ohne besonderen Schutz. Besonders fein schmecken die zarten Frühjahrsaustriebe, die sich nach Überwinterung bilden.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 21/2021 unter der Rubrik "Garten" und im digitalen Bauernblatt.

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