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Horst Seide, Präsident des FvB (li.) und Dr. Claudius da Costa Gomez, FvB-Geschäftsführer bei der Biogas Convention. Foto: dlg/fvb

Der Fachverband Biogas (FvB) sieht das Potenzial von Biogas noch lange nicht ausgeschöpft. Nicht nur die Verringerung von Treibhausgasen vor allem in der Landwirtschaft, sondern auch die vielen weiteren klimarelevanten Vorteile sollten bei der Honorierung der Leistungen dieses Energieträgers eingepreist werden, forderte Verbandspräsident Horst Seide im Rahmen der 26. Jahrestagung des Fachverbandes Biogas (Biogas Convention), die erstmals parallel zur Energy Decentral und Eurotier in Hannover stattfand.

Einen wertvollen Beitrag könne Biogas beispielsweise im bislang stiefmütterlich behandelten Wärmemarkt leisten, indem die Anlagen in sinnvolle Wärmekonzepte integriert würden, hob Seide hervor. Eine aktuelle Studie seines Verbandes belege, dass viele Biogasanlagen schon heute an ein Wärmekonzept angeschlossen seien und dass rund drei Viertel der Befragten über einen Ausbau oder einen Einstieg in die Wärmenutzung nachdächten.

"Hier liegt ein großes Potenzial, um endlich auch mit der Erneuerbaren Wärmewende voranzukommen", unterstrich der Verbandspräsident. Dafür müsse die Wärme aus Biogasanlagen aber auch entsprechend entlohnt werden, und nicht – wie bislang – mit einem Durchschnittspreis von 2,6 ct/kWh. Seide wies darauf hin, dass flexible Biogasanlagen auch für die Versorgungssicherheit im Stromnetz zunehmend an Bedeutung gewännen.

Diese Leistung werde aktuell aber nur ansatzweise von den Strommärkten honoriert. Hier sei der Gesetzgeber gefordert, die fossilen Überkapazitäten zeitnah abzubauen. "Nur über den Rückbau alter fossiler Kraftwerke wird es gelingen, Preise an der Strombörse zu erzielen, die sich rechnen", betonte der FvB-Präsident. Gleichzeitig könnten die Stärken flexibler Kraftwerke – und damit auch von Biogasanlagen – finanziell honoriert werden. Allein über den Verkauf von Strom ließen sich Biogasanlagen langfristig nicht finanzieren.

Das im Frühsommer dieses Jahres novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) stelle die Bioenergiebranche vor große Herausforderungen, biete aber auch wieder eine Perspektive, vor allem für die rund 9.000 bestehenden Biogasanlagen in Deutschland, erklärte Seide mit Blick auf das Inkrafttreten der Neuregelung im kommenden Jahr. Zu Beginn dieses Jahres seien die Erwartungen und damit auch die Stimmung unter den Biogas-Akteuren deutlich getrübter gewesen als heute.

Einen Grund zum Jubeln gebe es allerdings auch jetzt nicht, denn in diesem Jahr seien in Deutschland insgesamt nur etwa 150 Biogasanlagen neu ans Netz gegangen, und für 2017 sei eine ähnlich niedrige Zahl zu erwarten. Im Wesentlichen handele es sich um Güllekleinanlagen mit einer elektrischen Leistung von maximal 75 kW, berichtete Seide. Zusammen mit den getätigten Anlagenerweiterungen im Rahmen der Flexibilisierung belaufe sich die installierte Leistung auf knapp 150 MW. Davon seien nur gut 10 MW arbeitsrelevant, also Leistung, die tatsächlich regelmäßig Strom erzeuge. Rechne man die Stilllegungen von Biogasanlagen hinzu, tendiere der Zuwachs gegen Null.

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