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Gesunde und langlebige Kühe sind das Ziel einer tierwohlgerechten Nutztierhaltung und gleichzeitig ökonomisch wertvoll. Sie bringen aber auch mehr Freude in der täglichen Arbeit und sind ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Motivation der betreuenden Personen. Foto: Hannah Lehrke

Wenn Kühe aufgrund von Verendung oder Euthanasie die Herde verlassen, stellt dies nicht nur einen wirtschaftlichen Verlust dar. In Betrieben mit hohen Verlustraten muss neben der betriebswirtschaftlichen Bedeutung auch die Frage gestellt werden, ab wann Kuhverluste ein ethisches Problem darstellen. Die eigene betriebliche Situation zu kennen und regelmäßig zu überprüfen, ist dabei der erste Schritt zu einer tierwohlgerechteren Haltung und verbessert gleichzeitig die Ökonomie.

Wie hoch sind die Verlustraten in den Betrieben im Durchschnitt? Im Rinder-Report Schleswig-Holstein für das Wirtschaftsjahr 2019/2020 weisen die 803 ausgewerteten Betriebe eine durchschnittliche Verlustrate von 6,09 % auf, die Spannweite reicht von 5,31 % bei den erfolgreicheren und bis zu 7,27 % bei den weniger erfolgreicheren Betrieben. Bei der Auswertung der Betriebe nach produktionstechnischen Kennzahlen lassen sich keine eindeutigen Trends feststellen, wonach höhere Verlustraten in Betrieben mit größeren oder leistungsstärkeren Herden auftreten könnten. Allerdings ist über die vergangenen Jahre ein kontinuierlicher Anstieg der Kuhverluste im Durchschnitt der Betriebe zu beobachten.

Eine Auswertung des Landeskontrollverbandes Schleswig-Holstein im Rahmen des EIP-Projektes Tierwohl-Check für das Kontrolljahr 2019 kommt auf durchschnittlich 4 % Kuhverluste (2.585 Betriebe), die besten 10 % der Betriebe erreichen hier einen Wert von nur 1,1 % (Lehrke et al. 2021).

Verlust oder geplanter Abgang?

Als Verlust gelten alle verendeten und euthanasierten Kühe des Bestandes. Für eine prozentuale Auswertung wird diese Anzahl Tiere im Verhältnis zum Durchschnittskuhbestand des Betriebes innerhalb eines festgelegten Zeitraums betrachtet. Die Rohdaten können für jeden Tierhalter aus der HIT-Datenbank bezogen und ausgewertet werden. Im Gegensatz dazu erfasst die Abgangs- beziehungsweise Merzungsrate alle Kühe, die im Betrachtungszeitraum den Betrieb zur Schlachtung verlassen haben. Abgänge zur Zucht zählen somit nicht in die Abgangsrate. Betriebe die häufig abgekalbte Färsen vermarkten, sollten dies unbedingt beachten, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Während die Kennzahl Abgangsrate auf vielen Betrieben bereits gut etabliert ist, wird der Verlustrate als Tierwohlindikator vermehrte Aufmerksamkeit geschenkt. Die DLQ-Richtlinie 2.0 definiert sowohl die Abgangsrate als auch die Tierverluste als zwei von 14 Tierwohlindikatoren, die aus bereits vorliegenden Daten erhoben werden können. Die Richtlinie definiert Ziel- und Warnwerte, die für jeden Betrieb als Orientierungsgröße dienen können. Für die Tierverluste wird ein Zielwert von unter 2 % angestrebt, ab 5 % Verluste ist der Warnwert erreicht und eine Ursachenforschung wird dringend empfohlen.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 23/2021 unter der Rubrik "Tier" und im digitalen Bauernblatt.

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