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Kälber sind Herdentiere. Sie lernen mit- und voneinander. Foto: Dr. Luise Prokop

Die Einzelhaltung von neugeborenen Kälbern in den ersten Lebenstagen beziehungsweise -wochen ist weitverbreitet. Als vorteilhaft werden dabei eine bessere Tierbeobachtung sowie die Minimierung von Keimen angesehen. Mit der Einzelhaltung werden jedoch das Platzangebot sowie soziale Interaktionen zwischen den Kälbern stark eingeschränkt. Die Wissenschaft beschäftigt sich mit neuen Ansätzen in der Kälberaufzucht und der Frage, ob Kälber in den ersten Lebenswochen einzeln oder gemeinsam gehalten werden sollen. Im folgenden Artikel werden die Ergebnisse zu Vorteilen und Besonderheiten einer paarweisen Aufzucht von Kälbern im Vergleich zur Einzelhaltung dargestellt.

Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung gibt vor, dass Kälber in der konventionellen Landwirtschaft mit Beginn der achten Lebenswoche in Gruppen gehalten werden müssen. Für ökologisch wirtschaftende Betriebe gilt dies bereits ab der zweiten Lebenswoche des Kalbes. Bei frei lebenden Rindern werden Kälber abseits der Herde geboren und verbleiben dort in den ersten Lebenstagen. Die Mutter kommt zum Säugen mehrmals täglich zum Kalb. Bereits ab der zweiten Lebenswoche kommen Kälber zu sogenannten Kindergartengruppen zusammen. In diesen Gruppen verbleiben sie bis zu fünf Stunden täglich und werden von einem adulten Tier bewacht. In dieser Zeit zeigen Kälber ein ausgeprägtes Spielverhalten mit einer hohen Laufaktivität (Brade und Flachowsky, 2007).

Nachteile Einzelhaltung

Dieses Bewegungsbedürfnis von jungen Kälbern kann in der Einzeltierhaltung nicht ausreichend befriedigt werden. Je nach Haltungssystem in den ersten Lebenswochen steht dem Kalb unterschiedlich viel Platz zur Verfügung. Das Einzeliglu bietet Kälbern in der Regel die größte Fläche, während Einzelbuchten nur ein Mindestmaß an Platz bieten. Einzeln gehaltene Kälber müssen laut Gesetz die Möglichkeit zu Sozialkontakten haben. So müssen die Seitenwände von Einzelbuchten einen direkten Sicht- und Berührungskontakt mit Artgenossen zulassen. Kälberiglus müssen so aufgestellt sein, dass ein Berührungskontakt im Auslaufbereich zwischen den Kälbern möglich ist. Eine Ausnahme sind kranke Tiere, die ein Infektionsrisiko für alle anderen Tiere darstellen. Diese dürfen zeitweise ohne Sozialkontakte (isoliert) gehalten werden.

Gründe für Einzelhaltung

Die Gründe für eine Einzelhaltung von jungen Kälbern liegen häufig in der Motivation, die Krankheitsübertragung und das gegenseitige Besaugen zu minimieren. Außerdem sind einzeln gehaltene Kälber besser zu beobachten, Gesundheitsprobleme können schneller festgestellt und gegebenenfalls leichter behandelt werden. Wissenschaftliche Studien zur Krankheitsinzidenz sind sehr uneinheitlich. Manche Studien belegen eine höhere Inzidenz in der Gruppenhaltung, andere ergeben das Gegenteil oder zeigen keinerlei Unterschiede zwischen Einzel- und Gruppenhaltung. Diese Ergebnisse deuten vielmehr auf den großen Einfluss des Managements auf die Gesunderhaltung von Kälbern hin und weniger auf den Einfluss des Haltungssystems.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 35/2021 unter der Rubrik "Tier" und im digitalen Bauernblatt.

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