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Werner Schwarz auf seinem Hof in Rethwisch. Foto: Mechthilde Becker-Weigel

Werner Schwarz hatte Glück im Unglück, er hatte im vorigen Jahr keine Sau im Stall. Doch er weiß, wie gebeutelt gerade die Schweinehalter sind. Im Bauernblatt spricht der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein über ein spezielles Jahr, die Agrarpolitik und die Entwicklung auf den Höfen.

Herr Schwarz, gehen Sie noch gerne in den Stall?

Werner Schwarz: Wir brauchten im vorigen Jahr über Wochen nicht in den Stall zu gehen. Das hing mit einer Krankheit zusammen, die wir im Stall hatten. Deswegen mussten wir unseren Bestand repopulieren, also komplett ausräumen, sauber machen und desinfizieren. Seit Weihnachten haben wir die ersten Ferkel. Es ist nicht eine Frage, ob ich gerne in den Stall gehe. Es gehört einfach dazu, auch solche Täler mitzunehmen, wenn ich mich entschieden habe. Das ist Teil meiner Aufgaben, und ich werde weiter daran arbeiten – fertig.

In welcher Verfassung sehen Sie die Landwirtschaft in Schleswig-Holstein zum Jahresbeginn 2021?

Gebeutelt sind in jedem Falle die Ferkelerzeuger und die Schweinemäster. Die Ackerbauern in klimatisch guten Regionen haben ein gutes Wirtschaftsjahr hinter sich. Insofern würde ich das nicht einheitlich sehen. Es gibt bei einigen erhebliche Befürchtungen, dass der Betrieb es nicht schaffe, durch diese Krise zu kommen. Für mich ist es immer ein Alarmzeichen, wenn mir Berufskolleginnen und -kollegen sagen, sie empfehlen ihren Kindern nicht, Landwirtschaft zu machen. Dann brennt auf den Höfen die Scheune. Und das habe ich im vorigen Jahr vermehrt gehört.

Politische Einschnitte, die Corona-Pandemie, der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest und der Geflügelpest haben im vorigen Jahr tiefe Spuren hinterlassen. Welche Lichtblicke haben Sie dennoch gesehen?

Die Getreidepreise hatten ein anständiges Niveau, und die Borchert-Kommission brachte bessere Ergebnisse hervor, als wir erwartet hatten. Corona hat es möglich gemacht, bei der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) auch für die Landwirtschaft ein steigendes Budget zu generieren. Das heißt, dass die Kürzungen in der kommenden GAP-Periode nicht so stark ausfallen werden. Die GAP-Vorschläge, die 2017/2018 gemacht worden sind, wurden übernommen und sind jetzt in den Trilog-Verhandlungen, das ist gut.

Was ist für Sie bei der Borchert-Kommission besser gelaufen als erwartet?

Als Erstes ist der Abschlussbericht der Borchert-Kommission ganz in unserem Sinne. Wenn wir eine Weiterentwicklung der Tierhaltung wollen, ist das mit Kosten verbunden, die wir am Markt nicht erlösen können. Und jetzt ist vorgesehen, dass es einen Ausgleich geben wird. Im Abschlussbericht steht außerdem, für Änderungen werde es erst am Ende dieser Umstellungsperiode neue Ordnungsrechtsvorschriften geben. Das heißt, die Landwirte bekämen bis 2040 eine stabile Position. Damit wäre ein Rahmen für Investitionen, aber auch für Neuorientierungen geschaffen.

Der übergreifende Punkt ist eigentlich, dass Vertreter aller politischen Parteien der Bundesregierung und des Parlamentes zugestimmt haben, das sei ein Weg, mit dem wir die Tierhaltung in Deutschland halten und weiterentwickeln könnten. Dieser Konsens ist wichtig und nicht üblich. Das ist ein Bekenntnis, aber die Finanzierung steht noch nicht. Im Februar soll der Bericht der Expertengruppe, die sich mit der Kostenabschätzung und der rechtlichen Abschätzung beschäftigt, vorgestellt werden. Dann sehen wir, wie es weitergeht.

Das komplette Interview lesen Sie in der Bauernblattausgabe 1/2021 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und im digitalen Bauernblatt.

Ein kurzes Interview mit weiteren Fragen an Werner Schwarz finden Sie hier.

 

 

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