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Landwirtschaft gehört zu Schleswig-Holstein. Darin waren sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussion einig (v. li.): Prof. Christian Henning, Ute Volquardsen, Werner Schwarz, Moderatorin Julia Stein, Daniel Günther, Ulrike Röhr und Dr. Valentin von Massow. Foto: Dr. Robert Quakernack

"Wir ziehen in Schleswig-Holstein bei vielen Themen an einem Strang", erklärte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Landesbauerntages vergangene Woche Freitag in Rendsburg. Um Ökologie und Ökonomie zusammenzubringen, brauche es einen Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg.

Durch ordnungsrechtliche Maßnahmen sei der Landwirtschaft in der Vergangenheit Geld entzogen worden, so Günther. Mittlerweile diskutiere man den gegenteiligen Ansatz, zum Beispiel mit den Empfehlungen der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung. Diese Entwicklung begrüßte der Ministerpräsident. Schließlich spreche sich kein Landwirt gegen mehr Tierwohl aus. Doch die Mehrkosten dafür könne die Landwirtschaft nicht alleine tragen. Günther versprach, Hürden beim Stallbau durch rechtliche Vorgaben – unter anderem der TALärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) – anzugehen.

Er nutzte seinen Besuch in Rendsburg, um die Arbeit des Bauernverbandes Schleswig-Holstein (BVSH) und seines Präsidenten Werner Schwarz zu loben. Das "stete Bemühen um einen Konsens" schaffe die Voraussetzungen, um Schleswig-Holstein zu einer Modellregion zu entwickeln. Er unterstütze Betrebungen, innovative Fördersysteme für Umweltleistungen wie das Ökopunktesystem des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL) in der Praxis zu testen. "So könnten wir beispielgebend sein", betonte der Ministerpräsident.

Günther sprach das Missverhältnis von Verbraucherwünschen und Kaufverhalten an. Der Anteil des verfügbaren Einkommens, der für Ernährung ausgegeben werde, habe sich stark verringert. Deswegen profitiere die Landwirtschaft davon, wenn Verbraucher gut informiert seien und wüssten, was Lebensmittel wert seien. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das Leitbild zur Landwirtschaft 2040, das aktuell im Rahmen eines Dialogprozesses (siehe Ausgabe 36) erarbeitet wird und zur Norla 2021 vorgestellt werden soll.

"Es ist zwar anstrengend, miteinander zu sprechen", erklärte Schwarz. Es sei aber wichtig, eine Ebene zu finden, um sich konstruktiv auszutauschen. Öffentliche Leistungen durch die Landwirtschaft müssten honoriert werden. Momentan sei es allerdings so, dass beispielsweise Teichanlagen oder gut gepflegte Knicks als Selbstverständlichkeiten angesehen würden. Eine Lösung dafür könne das DVL-Punktesystem sein.

"Bei Veränderungen müssen wir aufpassen, dass sich verschiedene Systeme nicht gegenseitig schädigen", mahnte der BVSH-Präsident. Es könne beispielsweise nicht sein, dass die wirtschaftsgetragene Initiative Tierwohl durch ein staatliches Tierwohllabel zerstört werde.

Als Weltpremiere bezeichnete Dr. Valentin von Massow, Vorsitzender des WWF-Stiftungsrates, dass der WWF beim Bauernverband eingeladen wurde. Er erklärte: "Wir haben zu lange unseren Wohlstand auf Kosten bestimmter Systeme genährt." Der WWF wolle das wieder in Einklang bringen und kritisierte zum Beispiel Sojaimporte aus Brasilien für die Schweinefütterung. Von Massow befürwortet, dass Umwelt- und Tierwohlmaßnahmen auf der Verbraucherebene in Wert gesetzt werden. "Die Gesellschaft ist bereit, Landwirtschaft zu subventionieren", betonte der Stiftungsratvorsitzende. Direktzahlungen mit reiner Flächenbindung würden jedoch nicht mehr akzeptiert. Von Massow zeigte sich zuversichtlich, dass die Interessenkonflikte zwischen Landwirtschaft und Naturschutz gelöst werden. "Je früher wir uns daran setzen, desto einfacher wird die Umsetzung für die Landwirtschaft", prophezeite der Naturschützer.

"Es gibt nichts Schlimmeres als keine Entscheidung zu treffen", unterstrich Ute Volquardsen. Die Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein kritisierte andererseits, dass bei der jüngsten Novellierung der Düngeverordnung "manche Dinge nicht fertig durchdacht" gewesen seien. Hier gebe es einen riesigen Rattenschwanz an Themen, die zu bedenken seien.

"Das Erfordernis, als Landwirt innovativ zu sein, ist heute höher als früher", erklärte Volquardsen. Zudem seien die Betriebe unterschiedlicher geworden. Das stelle auch die Beratung vor große Herausforderungen. Um die jungen Leute auf den Betrieben zu halten, gelte es, eine gesunde Work-Life-Balance zu erreichen. Die aktuelle Verstimmung in der Landwirtschaft hänge aber auch am "Portemonnaie".

"Wir haben viele gut ausgebildete Leute, die für ihren Beruf brennen", berichtete Ulrike Röhr. Aus Sicht der Präsidentin des LandFrauenverbandes Schleswig-Holstein schränkt das hohe Maß an Arbeitstätigkeit in der Landwirtschaft die Möglichkeiten ein, Verbraucher zu informieren. Sie sieht in automatisierten Systemen Potenzial, mehr zeitliche Freiräume zu schaffen. "Der Mensch muss immer im Fokus stehen", betonte Röhr. Der Dialogprozess und die Entwicklung eines Leitbildes sind aus ihrer Sicht der richtige Weg. Der Dialogprozess nehme die Gesellschaft mit. Letztlich seien Landwirte auch Verbraucher. Grundsätzlich gebe es also gemeinsame Ziele.

Laut Prof. Christian Henning von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel würden Zukunftskonzepte und Pilotstudien benötigt, um politische Instrumente zu entwickeln und zu schärfen. "Landwirte sind Unternehmer", so der Hochschullehrer. Das System sollte innovative, ehrgeizige Betriebsleiter nach vorne bringen. Verbraucher müssten wieder mehr Vertrauen haben, dass Landwirte die Arbeit zuverlässig und sorgfältig erledigten.

 

Der digitale Landesbauerntag ist in voller Länge auf dem Youtube-Kanal des Bauernverbandes Schleswig-Holstein abrufbar.

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