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Gemeinsam wollen Verbände aus dem norddeutschen Raum geimpfte Eber marktfähig machen. Dietrich Pritschau (li.) wendet das Improvac-Verfahren seit 2019 an. Foto: Christoph Neuhaus

In einer gemeinsamen Anstrengung hatten es sich die Bauernverbände im nordwestdeutschen Raum sowie das Netzwerk Sauenhaltung zur Aufgabe gemacht, die Eberimpfung als Alternative zur chirurgischen Kastration "hoffähig" zu machen. Ziel war es, mindestens 100.000 mit dem Mittel Improvac geimpfte Eber zu vermarkten. Das ist mehr als gelungen. Vergangene Woche Freitag zog man unter Moderation von Carsten Spieker, Sprecher der Ferkelerzeuger im westfälisch-lippischen Landwirtschaftsverband (WLV), gemeinsam Bilanz.

Hubertus Beringmeier, Präsident des WLV, nannte in Münster Dietrich Pritschau den "Motor" dieses Versuchs. Der Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein sei betrieblich ins Risiko gegangen, um die Impfung voranzubringen. Pritschau beschrieb, wie es zur Initiative kam. 2018 habe man erkannt, dass mit dem nahen Ende der betäubungslosen Kastration viele Alternativen ausschieden, weil das Tierschutzgesetz einen Eingriff nur bei völliger Schmerzausschaltung erlaube. Leider habe die Politik es nicht geschafft, rechtzeitig passende Lösungen zu erarbeiten, und so habe man mit Beginn des Jahres 2019 im eigenen Bestand die Impfung ausprobiert.

Pritschau betonte, damit hätten die Schweinehalter den Ball ins Feld der Vermarkter und Verarbeiter gespielt: "Wir haben geliefert." Nun müsse der nachgelagerte Bereich diese Tiere aktiv vermarkten. Der norddeutsche Arbeitskreis der Verbände habe sich zum Ziel gesetzt, mittelfristig komplett aus der Kastration auszusteigen, auch um Druck von der Sauenhaltung zu nehmen. Man werde hier weitere Gespräche führen.

Schweinehalter Rainer Bertels aus Neuenkirchen, Kreis Steinfurt, berichtete von seinen betrieblichen Erfahrungen mit verschiedenen Verfahren: Eber seien im Verhalten schwierig, Verletzungen und Verluste höher, berichtete er. Eine Kastration mit Betäubung durch den Tierarzt sei zeit- und kostenintensiv. Vor der Impfung habe er die Vermarktung abgeklärt. Die erste Impfung erfolgt 14 Tage nach Einstallung, die zweite zwischen dem 55. und 60. Masttag. Dann würden die Tiere ruhiger, verhielten sich wie Kastraten. Durch die Klassifizierung nach Sauenmaske sei der Erlös auf dem Niveau der Sauen. Deutlich besser seien Futterverwertung und Zunahme, es falle weniger Gülle an. Die Ausschlachtung falle gegenüber den Sauen um 1,5 % geringer aus. Bertels bezeichnete es als Alternative für geschlossene Betriebe mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis.

 

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der Bauernblattausgabe 49/2021 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und im digitalen Bauernblatt.

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