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Prof. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, äußert sich im Interview zum Tierseuchengeschehen in Deutschland und zu den Aussichten auf einen Impfstoff. Foto: Imago

Zum gegenwärtigen Tierseuchengeschehen in Deutschland und den Aussichten auf einen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) äußert sich der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Prof. Thomas Mettenleiter.

Afrikanische Schweinepest, Geflügelpest und nicht zu vergessen eine vierte Corona-Welle, die schlimmer werden könnte als die bisherigen: Täuscht der Eindruck, dass Infektionskrankheiten tierischen Ursprungs drastisch zugenommen haben?

Prof. Thomas Mettenleiter: Derzeit könnte man tatsächlich diesen Eindruck gewinnen. Allerdings handelt es sich bei den genannten Beispielen um ganz besondere Infektionsgeschehen. Deutlich überlagert werden die reinen Tierseuchengeschehen von der Corona-Pandemie, zumindest in der medialen Wahrnehmung. Eine drastische Zunahme sehe ich eher hier, also in der Aufmerksamkeit der Medien und auch der allgemeinen Öffentlichkeit. Dies gilt insbesondere für die Zoonosen, also zwischen Tier und Mensch übertragbare Infektionen. Die gibt es seit Menschengedenken, aber wir können sie heute besser diagnostizieren als noch vor beispielsweise 50 Jahren.

Sie haben in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass sich das Auftreten von Tierseuchen nicht vorhersagen lässt. Sind Sie überrascht vom derzeitigen Seuchengeschehen?

Wir haben es bei der Afrikanischen Schweinepest und der aviären Influenza, der sogenannten Vogelgrippe oder Geflügelpest, mit Infektionskrankheiten zu tun, die wir schon lange kennen. Allerdings haben sich die Seuchengeschehen verändert. Aus der Afrikanischen Schweinepest ist eine Afroeurasische Schweinepest geworden und aus der nur sehr vereinzelt vorkommenden Geflügelpest ein offenbar jährlich wiederkehrendes massives Geschehen. Bei der ASP ist diese Veränderung auf die Einschleppung 2007 nach Georgien und die von dort ausgehende kontinuierliche Ausbreitung in Richtung Westen und Osten zurückzuführen. Bei der Geflügelpest hat sich die epidemiologische Lage offenbar auch grundsätzlich geändert: Bis 2006 gab es meist nur sporadische Ausbrüche, seither verzeichneten wir mehrere Epizootien, also ein epidemisches Auftreten der Seuche. Derzeit sieht es gerade in Europa leider fast so aus, als könnte sich eine endemische Lage entwickeln.

Was bedeutet das?

Das heißt, es könnte sein, dass ganzjährig Geflügelpestviren vorkommen und zu Fällen führen, sowohl bei Wildvögeln als auch bei Geflügel. Es gibt aber auch völlig neue Tierseuchen wie die Schmallenberg-Virus-Infektion oder erstmalig epizootisch bei uns auftretende Infektionen wie die Blauzungenkrankheit der Wiederkäuer. Letztlich lassen sich Seuchenausbrüche leider nicht genau vorhersagen, aber Risikobewertungen und -abschätzungen sind möglich.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der Bauernblattausgabe 48/2021 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und im digitalen Bauernblatt.

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