Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Bernd Koop Foto: privat

Ökologische Landwirtschaft hat einen positiven Einfluss auf die Artenvielfalt – das belegt eine Studie zu langfristigen Effekten einer Nutzungsumstellung auf Gut Ritzerau bei Mölln, Kreis Herzogtum Lauenburg. Dort untersuchten Wissenschaftler das Vorkommen von Gefäßpflanzen, Regenwürmern, Lauf- und Kurzflügelkäfern sowie Vögeln auf Ackerflächen über einen Zeitraum von bis zu 18 Jahren. Biologe Bernd Koop, Co-Autor der Studie, schildert dem Bauernblatt seine Erkenntnisse.

Wie hat sich die Umstellung von konventioneller zu ökologischer Wirtschaftsweise auf Gut Ritzerau ausgewirkt?

Bernd Koop: Dank unserer langfristigen Untersuchungen konnten wir sehr viele Veränderungen feststellen. Die Zahl der Arten hat sich ungefähr um den Faktor zwei bis drei erhöht. Am schnellsten reagierten die Feldlerchen. Nach zehn bis zwölf Jahren Projektlaufzeit sind auch die Bestände von Singvögeln deutlich angestiegen, die in den Knicks der Umgebung brüten und die Anbauflächen zur Nahrungssuche nutzen. Dazu gehören sehr viele Insektenfresser.

Ackerbauern streben eine gesunde Bodenbiologie an. Wie haben sich die Regenwurmpopulationen entwickelt?

Die Regenwurmpopulation hat deutlich zugenommen – insbesondere der tief grabende Lumbricus terrestris hat stark von der Umstellung profitiert. Durch seine Wühltätigkeit sorgt er dafür, dass bei Starkregen das Wasser nicht oberflächlich von den Flächen abfließt, sondern in den Boden einsickern kann. Das ist für den Wasserhaushalt und auch für die Grundwasserneubildung von wesentlicher Bedeutung.

Welche Faktoren sind entscheidend, dass sich die Artenvielfalt so entwickelt?

Da kommen verschiedene Sachen zusammen. Wenn man auf Pflanzenschutzmittel verzichtet, schaltet man bereits eine Quelle der Minimierung aus. Herbizide würden ansonsten die Begleitflora beseitigen, Insektizide die Insekten. Zudem wird im Biolandbau überlicherweise eine höhere Artenvielfalt angebaut – normalerweise sind es fünf bis sechs Kulturarten im Betrieb. Eine höhere Anbauvielfalt führt immer dazu, dass mehr Grenzlinien in der Fläche sind. Unterschiedliche Kulturen haben zudem unterschiedliche Wuchshöhen. Das bringt Strukturvielfalt. Und der Verzicht auf Düngung führt sehr schnell dazu, dass kleinwüchsigere Pflanzen mit einem erhöhten Blütenaufkommen bessere Chancen haben als bei hohen Düngergaben, wodurch vor allem die starkwüchsigen Arten bevorzugt werden. Zusätzlich darf man nicht vergessen, dass im ökologischen Anbau auf Fungizide verzichtet wird. Das bedeutet im Getreideanbau, dass man mit weiterem Reihenabstand arbeiten muss. Damit fällt mehr Licht auf den Boden und er trocknet auch relativ schnell ab. Die meisten Arten der Getreidefelder oder der Agrarlandschaft bei uns sind ursprünglich Steppenbewohner, die an eher trockene Klimate angepasst sind.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der Bauernblattausgabe 12/2021 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und im digitalen Bauernblatt.

nach oben