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Vor einem Jahr starteten Landwirtschaftsministerium und Bauernverband die Initiative, gemeinsam an einem Leitfaden für besseren Gewässerschutz zu arbeiten. In sechs bestehenden Arbeitsgruppen hat man sich auf Empfehlungen geeinigt, die am vorigen Donnerstag auf einem Feld zwischen Timmaspe und Gnutz von Robert Habeck, Landwirtschaftsminister, und Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, vorgestellt wurden. „Wasser ist für uns alle wichtig. Kein Landwirt ist gegen sauberes Wasser“, betonte Werner Schwarz beim gemeinsamen Startschuss. Robert Habeck ergänzte: „Der Schutz der Gewässer und des Grundwassers ist eine gemeinsame Pflicht, die wir auch gegenüber künftigen Generationen haben. Die Praxis muss diesen Gedanken leben.“ Dafür haben nun beide Einrichtungen gemeinsam einen Maßnahmenkatalog herausgebracht, der in einer Broschüre zusammengefasst wurde.

 

Auf einem guten Weg

Zu den gemeinsam vereinbarten Maßnahmen gehören Empfehlungen für eine nährstoffarme Fütterung der Tiere, die Einrichtung einer Nährstoffbörse, Beratung zu gewässerschonenden Ausbringungstechniken, Verbesserungen bei der Lagerung von Silage und Festmist und die freiwillige Einrichtung von breiten Gewässerrandstreifen.

„Die Maßnahmen zeigen, dass man eine Menge gemeinsam bewegen kann, um Nährstoffeinträge zu reduzieren. Das bessere Verständnis, das die Beteiligten füreinander entwickelt haben, wird helfen, auch die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen auf der gleichen Grundlage zu diskutieren“, sagte Minister Habeck. Die Verabredungen würden durch einige Erlasse und Verordnungen flankiert, deren angemessene praxisgerechte Umsetzung ebenfalls Gegenstand der Beratungen in der Allianz gewesen sei.

Die anstehende Novellierung der Düngeverordnung sollte nach Überzeugung von Robert Habeck und Werner Schwarz genutzt werden, um zu verbesserten Regelungen für einen effizienteren Nährstoffeinsatz zu kommen. Schwarz betonte, eine praktikable Regelung zur Frühjahrsausbringung von wirtschaftseigenen Düngern wie Gülle und Gärsubstrat auf gefrorenem Boden sei notwendig, weil dies die effizienteste und bodenschonendste Düngeranwendung sei. Wichtig sei es zudem, die Nährstoffe aus Wirtschaftsdüngern zwischen Viehhaltungs- und Ackerbauregionen im Lande gleichmäßiger zu verteilen. „Das ist ein Kernanliegen der Allianz zum Gewässerschutz“, so Schwarz. Eine Verschiebung der Ausbringungszeiten – vorausgesetzt es herrschen gute Bedingungen – vom 1. Februar auf den 15. Januar sei sinnvoll. Der Präsident räumte ein, dass die Landwirte auf die späten Herbstgaben  weitestgehend verzichten sollten. 

 

Die einzelnen Maßnahmen

Gewässerrandstreifen: Mit dem Dauergrünlanderhaltungsgesetz wurde bereits ein verpflichtender Gewässerrandstreifen von 1 m eingeführt, um die Gewässer besser zu schützen. Zusätzlich wurde eine Verordnungsermächtigung ins Gesetz aufgenommen, auf deren Basis breitere Randstreifen durchgesetzt werden könnten. Davon wird vorerst kein Gebrauch gemacht. Im Gegenzug sollen im Rahmen der Allianz für Gewässerschutz bis 2017 an mindestens 600 der 1.200 km Vorranggewässer Gewässerrandstreifen auf freiwilliger Basis entstehen, unter Berücksichtigung der bereits vorhandenen Gewässerrandstreifen. Auf diesen  Gewässerrandstreifen sind Grünlandumbruch, Düngemittel- und Pflanzenschutzmitteleinsatz verboten. Dafür sind Entschädigungszahlungen vorgesehen. Damit die breiten Gewässerrandstreifen entstehen, bedarf es der gemeinsamen Unterstützung aller Beteiligten. Vor allem aufgrund des hohen Drucks auf dem Flächenmarkt ist es zunehmend schwieriger geworden, Flächen für die natürliche Entwicklung der Fließgewässer anzuwerben. Bei der Errichtung von Gewässerrandstreifen hilft eine Broschüre des Bauernverbandes und des Melur. Diese kann ab sofort angefordert werden.

Fütterungsoptimierung: Durch die Wahl der Futtermittel kann der Nährstoffgehalt der Wirtschaftsdünger reduziert werden. Die Empfehlungen für Schweine- und Rinderzüchter werden auf den Internetseiten der beteiligten Institutionen veröffentlicht.

Akzeptanzerhöhung beim Wirtschaftsdüngereinsatz: Um regionale Nährstoffüberschüsse abbauen und die anfallenden organischen Düngemittel besser im Land verteilen zu können, wird eine Nährstoffbörse aufgebaut. Die Etablierung dieses Systems erfordert eine permanente Begleitung mit Öffentlichkeitsarbeit. Das Ministerium plant, parallel eine Meldeverordnung zur Verbringung von organischen Düngemitteln einzuführen.

Frühjahrsausbringung: Die bundesweite Düngeverordnung verbietet eine Ausbringung von organischen Düngern auf gefrorenem Boden, wenn die Böden tagsüber nicht antauen. Eine frühzeitige Düngung erhöht jedoch den Wirkungsgrad der enthaltenen Nährstoffe, und ein Befahren der Äcker bei Frost schont den Boden. Das Landwirtschaftsministerium wird sich bei der Novellierung der Düngeverordnung dafür einsetzen, dass länderspezifische Regelungen zur eingeschränkten Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf gefrorenen Böden ermöglicht werden, sofern eine Abschwemmung in Oberflächengewässer nicht gegeben ist.

Ausbringungsverfahren: Die Wahl des Ausbringungsverfahrens hat entscheidenden Einfluss auf die Ausnutzung der in den Wirtschaftsdüngern enthaltenen Nährstoffe und die potenziellen Verlustpfade. Für die Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern ist die Nutzung von emissionsarmen Ausbringungsverfahren geboten. Eine Förderung durch Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) ist angedacht. Aktuell liegen die Anträge in Brüssel. Habeck hofft, das ab 1. Januar 2015 bewilligen zu können. Dann sollen die Landwirte mit 75 €/ha unterstützt werden. Diese Gelder sind an Bedingungen geknüpft wie das Vorhalten der achtmonatigen Güllelagerkapazität und verkürzte Ausbringungszeiten.

Silage- und Festmistlagerung: Die Lagerung dieser Stoffe muss so erfolgen, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die Gewässer entstehen. In der Praxis sind allerdings immer wieder Mängel bei der Lagerung festzustellen. Das Umweltministerium hat die zu beachtenden Anforderungen noch einmal in einer Anweisung an die Wasserbehörden formuliert. Zur Umsetzung des Erlasses wurden Kriterien aufgestellt, die bei behördlichen Entscheidungen im Einzelfall berücksichtigt werden sollen. kim/pm

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