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Die Schlachtkapazitäten sind mittlerweile begrenzt und je mehr Schlachttermine geschoben werden müssen, desto enger wird der Platz in den Ställen. Es geht um Geld, Tierwohl und Existenzen am Schweinemarkt. Foto: Landpixel

Der Präsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, Werner Schwarz, richtet einen dringenden Appell an Bund, Länder, Kreise und Fleischwirtschaft, möglichst schnell alles zu tun, um mehr Kapazitäten für Schweineschlachtungen zu erschließen, damit der derzeitige Überhang an Schlachtschweinen abgebaut werden kann.

Überhang bedeutet: Es fehlen gerade Schlachtkapazitäten für mindestens 400.000 Schweine in Deutschland und 30.000 Schweine in Schleswig-Holstein, schätzt die Schlachtbranche. Das zeigt: Auch in Schleswig-Holstein werden Landwirte ihre schlachtreifen Schweine nicht los. "Die Lage in diesen Betrieben ist dramatisch", sagte Landesbauernpräsident Werner Schwarz. Die Betriebe seien dringend auf Einnahmen angewiesen, hielten und fütterten ihre Tiere jetzt erst einmal weiter. Wenn keine Lösung für den Schlachtengpass gefunden werde, drohe die Situation zu eskalieren, informierte der Bauernverband in einer Pressemitteilung.

Der Überhang beruht auf der unseligen Verkettung der Folgen der Corona-Krise mit dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland, wodurch der Auslandsabsatz weggebrochen ist. Der Rückstand in den Schlachtungen hat mit der Schließung von Schlachthöfen wegen Corona-Erkrankungen begonnen und sich weiter aufgebaut, weil durch die Corona-Auflagen die Verarbeitungskapazitäten der Betriebe verringert wurden. So wurden zum Beispiel die Bandgeschwindigkeiten reduziert. Kurzfristig wurde vorige Woche wegen Corona-Erkrankungen in der Belegschaft ein Schlachtbetrieb der Tönnies-Gruppe im emsländischen Sögel für drei Wochen amtlich vollständig geschlossen. Diese Maßnahme ist inzwischen aufgehoben und der Betrieb hat am Montag seine Arbeit wieder aufgenommen. Ein Eilantrag gegen die Schließung, den das Unternehmen beim Verwaltungsgericht Osnabrück gestellt habe, solle einstweilen ruhen. Man stehe weiter in enger Abstimmung mit den Behörden, hieß es. Noch am Sonntag hatte der Landkreis bekannt gegeben, dass er nach Gesprächen mit dem Unternehmen vom Infektionsschutzkonzept überzeugt sei und den Schlachthof wieder öffnen wolle. Zentraler Bestandteil dabei ist eine Arbeitsquarantäne, in der sich die Mitarbeiter vorerst bis zum 31. Oktober nur zwischen Arbeits- und Wohnort bewegen dürfen. Dieses Beispiel zeigt, wie kritisch und labil die Lage ist.

Präsident Werner Schwarz fordert eine Reihe von Maßnahmen, um die Absatzkapazitäten zu erhöhen. Fleischverarbeitung und Zerlegung an Wochenenden und Feiertagen sollten durch Ausnahmegenehmigungen ermöglicht werden. Auch seien Arbeitszeitflexibilisierungen für das Schlachtpersonal nötig. Bei Corona-Erkrankungen in der Belegschaft sollte statt einer kompletten Schließung der Betrieb durch den gesunden Teil der Beschäftigten in Arbeitsquarantäne fortgesetzt werden. Gleichermaßen fordert Schwarz, die restriktiven Corona-Auflagen für die Fleischverarbeitungsbetriebe auf Verhältnismäßigkeit zu überprüfen und angemessen zu reduzieren.

Den kompletten Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 42/2020 unter der Rubrik "Agrarpolitik" und im digitalen Bauernblatt.

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